Suppe aus Radieschengrün

by Emilie
Suppe aus Radieschengrün

Suppe aus Radieschengrün

Juhu, ich habe erfolgreich violette Möhren geerntet! Gewachsen sind sie in einem Tontopf bei mir auf dem Balkon.

Meine Radieschen hatten es wiederum zu gut. Ich habe sie gesät, als es schon warm und sonnig draußen war. Sie haben somit sofort all ihre Kraft in ihre Blätter gesteckt, die schon nach wenigen Tagen herrlich kräftig aussahen. Leider vergaßen sie dabei ihre Wurzeln, die lange, dünne, runzlig rosafarbene Fäden blieben…

Ich habe schlichtweg umdisponiert und statt des geplanten Salats eine frische grüne Suppe aus Radieschengrün gezaubert. Die rosa runden Bällchen zur Deko gab es dann vom Markt.

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Radieschen kaufe ich eigentlich immer mit Grün, doch erst seit meinem etwas anderen Ernteerfolg wurde mir so richtig bewusst, dass ich dabei immer zwei Produkte kaufe. Wir müssen das leckere Grün überhaupt nicht in die Tonne drücken, sondern können es frisch im Salat oder weniger frisch für eine Suppe verwenden!

Und das sollten wir sogar. Nicht nur, weil in den grünen Blättern eine Menge an Vitaminen stecken, sondern auch, um ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung zu setzen.

Radieschen

Jedes Jahr werden 11 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland weggeworfen. Hinter dieser Zahl verstecken sich auch Schulen, Gaststätten und Industrie, doch 61% der 11 Mio. Tonnen landeten allein in privaten Haushalten im Müll. Das wären dann etwa 81 kg pro Kopf.

Lebensmittelverschwendung

Quelle: slowfood.de

Vor allem schnell Verderbliches landet häufiger in der Tonne. Entweder, da das Brot zu schnell hart geworden ist, der Fisch im vollen Kühlschrank übersehen wurde oder der Joghurt schon seit 2 Tagen abgelaufen ist – Gründe gibt es viele, vermeidbar sind laut der Studie allerdings über die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel.

Ich bin mir sicher, dass viele von uns sehr sorgsam einkaufen und meist das essen, was wir besorgen. Ich plane unsere Woche essenstechnisch immer gut durch, schreibe eine Liste, an die wir uns dann auch meist mehr oder weniger streng halten. Es kommt selten vor, dass wir etwas dann doch nicht essen und in diesen Fällen gibt es zum Glück foodsharing.

Was es sonst noch Wissenswertes zum Thema Lebensmittelverschwendung gibt, lest ihr in dem folgenden Beitrag oder auf folgenden, sehr empfehlenswerten Seiten:

www.zugutfuerdietonne.de
www.foodsharing.de
www.slowfood.de

Was tun mit dem Biomüll? Ideen und Ansätze

Basti und ich produzieren in unseren „guten“ Wochen gerade einmal zwei kleine Tassen Biomüll und dabei besteht der meist aus Eierschalen. Das ist kein Indiz dafür, dass wir wenig Obst und Gemüse essen, im Gegenteil! Wir verwerten einfach auch die Teile der Pflanzen, die meistens ungeachtet zur Seite gelegt werden.

Dafür gibt es drei gute Argumente:
Es stecken gerade in Schale und Co. sehr viele Nährstoffe, die wir gut gebrauchen können.
Das wunderschöne (und häufig auch nicht gerade billige) Biogemüse ist zu wertvoll, um es nicht voll zu verwenden!
Und zu guter Letzt: Wir wollen weniger wegschmeißen!

Und so wird’s gemacht:

  • Schalen von Möhren, Spargel, Sellerie, Rüben und Wurzeln; Strunke von Lauchgewächsen, Kohlrabi und Zwiebeln und Stiele von Kräutern oder Pilzen; sogar das Innere einer Paprika – Das alles sammle ich in einer Dose im Kühlschrank und koche dann ein- bis zweimal die Woche eine Gemüsebrühe daraus. Meistens verfeinere ich sie dann gezielt mit Tomaten, Petersilie , Bohnenkraut und Lorbeerblättern. Ein bestimmtes Rezept benutze ich selten. Je nach Saison habe ich andere Abfälle parat, die ich dann geschmacklich aufwerte.
  • Das Grün von Möhren, Radieschen, Knollensellerie und Co. ist essbar! Es gibt grünen Smoothies eine ganz besonders aromatische Note oder kann, wie Petersilie gehackt, über Suppen gestreut werden.
  • Die Blätter von Kohlrabi, Blumenkohl haben sogar mehr Nährstoffe als das eigentliche Gemüse! Es lohnt sich, sie in Eintöpfen zu verkochen.
  • Meist entstehen bei uns wenig Abfälle, da wir die Schalen einfach mitessen. Egal ob Kartoffeln, Möhre oder Gurke – bei Bioprodukten gibt die Schale eine gute Portion Ballast- und Mineralstofffe sowie Vitamine.

Radieschen

Die gesetzlich gerade Gurke gibt es nicht! Welche EU-Normen wirklich gelten

Häufig wird mir als foodsharing Mitglied vorgehalten, dass doch vor allem die Politik, die EU mit ihren Verordnungen, Schuld an dem großen Verlust von Lebensmitteln sei. Krumme Gurken, verzweigte Karotten, eingedellte Kartoffeln – das alles wird doch wohl in Massen weggeworfen, da es laut der EU nicht in unsere Supermärkte darf!

Mit diesem Irrtum möchte ich an dieser Stelle endlich aufräumen. Seit dem 1. Juli 2009 gibt es keine Vermarktungsnormen für 26 Obst- und Gemüsearten. Dazu gehören auch Gurken, Karotten, Kartoffeln und und und.

Vermarktungsnormen gelten immer noch für die 10 folgenden Arten:

Äpfel
Birnen
Erdbeeren
Gemüsepaprika
Kiwis
Pfirsiche und Nektarinen
Salate
Tafeltrauben
Tomaten
Zitrusfrüchte

Darüber hinaus gibt es sogenannte Mindesteigenschaften, die ein Produkt im Handel zu erfüllen hat. Diese Eigenschaften sind allerdings allesamt sehr sinnvoll, da keiner von uns einen kranken, mit Pestizidrückständen behafteten oder fauligen Apfel kaufen möchte.

Warum ist die Gurke trotzdem gerade? Die Macht des Handels und des Käufers

Doch warum finde ich keine krumme Gurke beim Einkaufen im Supermarkt? Warum sortiert der Bauer schon auf dem Feld die kleinen Kartoffeln aus und pflügt die Reihen von kleinen Salatköpfen um? Rechtlich gesehen muss er das doch gar nicht mehr tun.

Dahinter liegen ökonomische Gründe und vor allem die Einstellungen des Verbrauchers, also unsere. Wir entscheiden an einem Ende der Vermarktungskette, was der Bauer am anderen Ende im Endeffekt produziert. Dazwischen steht der Handel, der mehr oder weniger vermittelt. Wenn die meisten Deutschen nicht gewillt sind, für eine kleine Paprika oder einen sehr grünen Apfel den gleichen Preis zu zahlen wie für das perfekte Stück daneben, dann hat der Supermarkt ein Problem. Er bleibt entweder auf dem Zeug sitzen oder verkauft es zu einem niedrigeren Preis – weil er das nicht will, bleibt der Handel auf den nicht idealen Produkten sitzen. Damit hat der Handel ein Problem und fängt an, den Bauern vorzuschreiben, wie das Obst und Gemüse auszusehen hat.

Es ist also im Endeffekt der Handel, der neue Normen einführt, obwohl diese rechtlich gesehen gar nicht sein müssen.

Vermarktungskette

Im Supermarkt scheint die krumme Gurke erst einmal aus dem Rennen zu sein, sodass wir uns dort gar nicht mehr für sie entscheiden können. Der Bauer verfüttert sie dann an Tiere oder verwertet sie anderweitig, denn wegschmeißen und Verlust machen will auch er nicht.

Eine tolle Aktion für krummes Gemüse gab es Ende 2013, hier ein Artikel dazu: http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/lebensmittel-normen-edeka

Am Ende des Artikels wird auch eines deutlich: Die Einstellungen des Verbrauchers müssen sich an erster Stelle ändern.

Suppe aus Radieschengrün

Nach diesem, zugegebenermaßen leicht politischen Text, kommt hier nun ein Rezept, mit dem ihr euren Biomüll noch weiter reduzieren könnt! Gesund und lecker ist es sowieso!

 

Suppe aus Radieschengrün

Serving Size: 2 Vorspeisen oder 1 Hauptmahlzeit

Suppe aus Radieschengrün

Ingredients

  • 1 weißer Rettich
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 1 Bund Radieschengrün
  • 200 ml Gemüsebrühe (ideal: hergestellt aus Gemüseabfällen)
  • Salz, Pfeffer
  • Zitronensaft
  • frische Radieschen zur Deko
  • optional: saure Sahne

Instructions

  1. Zwiebel, Knoblauch und Rettich klein schneiden.
  2. Alles zusammen mit etwas Fett anbraten.
  3. Das Grün grob hacken und etwa 2 Minuten mitdünsten.
  4. Mit der Gemüsebrühe ablöschen und 10-15 Minuten köcheln lassen.
  5. Die Suppe fein pürieren und mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. Mit frischen Radieschenscheiben garnieren.
  6. Mir schmeckt sie mit etwas saurer Sahne besonders gut.
https://emiliestreats.de/suppe-aus-radieschengrun/

Suppe aus Radieschengrün

 

 

Zum Informieren und Nachlesen:

Studie zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland: https://www.zugutfuerdietonne.de/uploads/media/Studie_Lebensmittelabfaelle_Kurzfassung_02.pdf
EU-Vermarktungsnormen: http://www.ble.de/DE/02_Kontrolle/01_Qualitaetskontrolle/02_Vermarktungsnormen/ObstundGemueseA_Z.html

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1 comment

Suppe aus Radieschengrün | foodsharing Halle August 14, 2015 - 09:32

[…] Emilie hat einen sehr lesenswerten Foodblog. Wir wollen euch besonders einen ihrer letzten Einträge ans Herz legen. Der sich gut in unsere Reihe Resterezepte einreiht. Aber der Blogeintrag bietet […]

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