Die Suche nach dem grünen Muffin

by Emilie
Die Suche nach dem grünen Muffin

 

Wenn mich eine Idee mal so richtig gepackt hat, komme ich schwer davon los. Was war es diesmal? Ich wollte unbedingt einen grünen Muffin backen, der ohne Farbstoffe herrlich grün leuchtet und dazu noch gut schmeckt – und das auch meinen sich vegan ernährenden Freunden!

Leichter gesagt als getan.

Hier berichte ich nun von meinen mehrzähligen Experimenten, zu Grimassen verzogenen Gesichtern und einem ersten Teilerfolg. Außerdem versuche ich zu klären, was Chlorophyll kann und eben auch nicht kann.

Grüner Smoothie Muffin

Trial and Error – Wie bäckt man einen veganen grünen Muffin?

Mein erstes Rezept stützte sich auf eines, das ich auf einem englischsprachigen Blog gefunden hatte. In den Kommentaren war von Kindern die Rede, die den grünen Muffin strahlend jeden Morgen zum Frühstück aßen. Nun ja. Mein Ergebnis hätte ein Kind wahrscheinlich eher zum Weinen gebracht.
Man konnte die Muffins zwar essen, doch sie schmeckten sogar für mich sehr “gesund”. Und wenn jemand sagt, “Hm, schmeckt irgendwie gesund…”, heißt das übersetzt eigentlich immer: “Schmeckt mir nicht!”.
Ich verbuchte den Versuch also als gescheitert, zumal die Muffins noch nicht einmal so grün waren, wie ich sie in meinem Kopf hatte.

Grüner Smoothie Muffin

Beim nächsten Mal packte mich der Ehrgeiz, einen Muffin aus reinem Vollkornmehl zu backen – einen grünen, versteht sich. Doch da habe ich es wohl etwas zu gut gemeint, die Konsistenz erinnerte eher an Brot, das Gebäck schmeckte irgendwie fade und der bittere Nachgeschmack im Rachen schien mir auch nicht das Wahre zu sein.

Ich probierte es noch viele weitere Male – mit oder ohne Säure, mit mehr und mit weniger Zucker, mit Dinkel- und mit Buchweizenmehl. Am Anfang experimentierte ich noch mit jungem Spinat, doch als die Saison dafür vorbei war, fanden auch andere grüne Sachen ihren Weg in die Teigschüssel.

Was dabei heraus gekommen ist? Ein Muffin, der einen – für meinen Geschmack – recht hohen Zuckeranteil hat, dafür aber grün aussieht und schmeckt! Von der Konsistenz ist er mir persönlich immer noch etwas zu „klietschig“ – doch da lässt sich bestimmt an der Backzeit noch was drehen.

Grüner Smoothie Muffin

Nun wollte ich testen, ob der Muffin massentauglich ist. Meinen Freund konnte ich schon überzeugen, doch er als voreingenommene Testperson der vielen anderen Ekelmuffins, war mir als Beweis nicht genug. Auf dem Hoffest unseres Instituts lies ich deshalb Muffinkostproben zwischen Studenten der Agrar- und Ernärhungswissenschaften rumgehen und auch die Dozenten durften mal naschen.

emilies treats

Test erfolgreich!

Das Ergebnis war – für mich sehr überraschend – einheitlich. Es schmeckte allen gut. Viele Studenten verzogen allerdings erst einmal das Gesicht als sie die grüne Farbe sahen – und das soll schmecken?! Kinder hingegen fanden einen grünen Muffin gerade total cool – so etwas gibt es nicht überall!

Wenn sich dann allerdings die erste mutige Person einer Gruppe getraut hatte, ein Stück Muffin zu probieren, zogen auch die anderen nach. Muffin für Muffin wurde vertilgt und für gut befunden.

Für mich besonders überraschend: Viele lobten die Konsistenz. Für einen veganen Muffin sei er besonders fluffig und nicht so klietschig, wie man es kenne.

Da haben wohl einige schon schlimme Erfahrungen mit veganem Gebäck gemacht…

Ich habe mich sehr gefreut, wie offen und interessiert auf den grünen Muffin reagiert wurde. Er ist für mich ein Symbol für experimentelle gesunde Ernährung, die lecker schmeckt, aufregend neu aussieht und Kontakte knüpft.

Chlorophyll

Das schwierigste beim Backen eines grünen Muffins war es für mich, den „grünen Geschmack“ in den Hintergrund zu drängen. Dieser kommt vor allem vom Chlorophyll der grünen Pflanzen und ist bestimmt allen bekannt, die schon einmal einen Grünen Smoothie probiert haben.

Chlorophyll wird in letzter Zeit vermehrt bis in den Himmel als DAS entschlackende, dem Körper reinigende und die Jugend erhaltene Wundermittel Nummer Eins vermarktet. Sogar Krebs soll es heilen können.
Es gibt sowohl Kapseln zu kaufen, die einem viel versprechen und auch die Verfechter des Grünen Smoothies erzählen seitenweise von den gesundheitsfördernden Eigenschaften des grünen Pflanzenfarbstoffs. Von allen Seiten wird geraten: Go Green!

Dabei ist Chlorophyll, der Name für eine Klasse von natürlichen Farbstoffen, für uns Menschen eine Substanz, die weder als Vitamin bedeutsam ist, noch in einem lebenswichtigen Stoffwechselprozess unseres Körpers eine wichtige Rolle spielt.

Chlorophyll ist nur für Pflanzen von enormer Bedeutung, da es bei der Photosynthese eine wichtige Aufgabe hat. Der Farbstoff ist für die grüne Farbe der Pflanzen verantwortlich und wird auch von der Lebensmittelindustrie gern als Färbemittel eingesetzt.

Vom Aufbau her ähnelt es sehr dem Hämoglobin, das in unserem Körper als Bestandteil des Blutfarbstoffs vorkommt. Allerdings ist das Zentralatom der beiden Chelatkomplexe ein anderes – bei der Klasse der Hämen ist es Eisen, bei Chlorophyll Magnesium. Die blutreinigende Wirkung, die ihm deswegen nachgesagt wird, konnte nicht bewiesen werden.

Eine, bis jetzt noch nicht vollständig erklärbare, Eigenschaft, die auch in der Pharmazie eingesetzt wird, hat der grüne Farbstoff: Er vermindert Mundgeruch und ist somit in bekannten Dragees enthalten.

Ansonsten nützt Chlorophyll wohl eher der Industrie als uns. Keiner muss Chlorophyllkapseln kaufen, um sich besser zu fühlen – eine große Hand voll Spinat enthält fast genauso viel von dem Stoff wie eine Kapsel.
Davon mal abgesehen wiederhole ich nochmal: Unser Körper braucht für keinen wichtigen Stoffwechselvorgang Chlorophyll! Deshalb kann dieser Stoff noch nicht mal in die Kategorie der Pseudovitamine eingestuft werden.

Exkurs Pseudovitamine

Pseudovitamine, von Wissenschaftlern eher als Vitaminoide bezeichnet, sind Substanzen, die eine vitaminähnliche Funktion erfüllen. Allerdings kann unser Körper sie in ausreichende Menge selber produzieren – das ist bei Vitaminen nicht der Fall, diese sind für uns essentiell.

Zu den Pseudovitaminen zählen z.B. Vitamin B17 (Laeötril) aus Obstkernen, Carnitin, das im Fleisch vorkommt, – vielleicht hat jemand von euch den einen oder anderen Namen schon einmal auf einer Packung gelesen. Wenn nicht, dann hier noch ein Beispiel, dass euch bestimmt etwas sagt: Taurin wird meist Energydrinks zugesetzt, um die Leistung noch einmal zu steigern (ob da wirklich etwas dran ist, konnte noch nicht nachgewiesen werden).
All diese Stoffe sind tatsächlich an Stoffwechselvorgängen in unserem Körper beteiligt, jedoch müssen sie, wie gesagt, nicht aufgenommen werden.

Die Hersteller dieser Kapseln versprechen Wirkungen wie Steigerung der Leistung, Senkung des Blutdrucks, glatte Haut oder ein besseres Konzentrationsvermögen. Wissenschaftlich bewiesen sind davon jedoch die wenigsten. Im Gegenteil können zu hohen Dosen einiger Präparate schädliche Auswirkungen haben. Zum Beispiel fördert eine hohe Aufnahme von Coenzym Q10, das leistungssteigernd wirken soll, die Bildung freier Radikale und somit steigert es das Risiko vom Krebs.

Mein Fazit für euch: Viele der angepriesenen Wundermittel sind teuer und total überflüssig!

Flavonoide

Eine Ausnahme bilden die Flavonoide, die zur zeit gründlich erforscht werden und bei denen gefäßerweiternde Wirkungen festgestellt wurden. Sie gehören ebenfalls zur Gruppe der Pseudovitamine, können aber anscheinend tatsächlich was! Sie kommen z.B. in Kakao vor – mehr Informationen dazu findet ihr hier.

Grüner Smoothie Muffin

Grüne Ernährung – völliger Quatsch?

Und warum loben Ernährungswissenschaftler den Genuss von Brokkoli, warum essen wir gesundheitsbewusst viel Salat und warum verbacke ich selbigen sogar in süße Muffins?

Weil grüne Pflanzen noch viel mehr zu bieten haben als Chlorophyll! Wir finden tatsächlich eine Fülle von Vitaminen und Mineralstoffen in grünem Gemüse, dabei können wir aufgrund der niedrigen Energiedichte so viel Gemüse essen bis wir platzen und die guten Seiten der sekundären Pflanzenstoffe sind noch nicht vollständig erforscht – es werden aber viele gesundheitsfördernde Wirkungen vermutet!

 

Deshalb stelle ich euch jetzt ein Rezept vor, bei dem Kinder große Augen machen und auch Erwachsene noch mal so mutig wie Kinder sein dürfen.

 

Grüner Smoothie Muffin

Grüner Smoothie Muffin

Ingredients

  • 1 Tasse (120g) Dinkelvollkornmehl
  • 1 (Tasse (120g) helles Dinkelmehl
  • 175g brauner Zucker (ich habe ihn in meinem Mixer fein gemahlen - so lässt es sich besser verarbeiten)
  • 2 TL Backpulver
  • 1/2 TL Natron
  • 1 TL Zimt
  • 1/2 TL Salz
  • 1/4 Tasse Kokosöl
  • 3/4 Tasse Nussmilch (bei mir: selbst gemachte Cashewmilch)
  • 150g Feldsalat oder ein anderes grünes Blattgemüse der Saison
  • 1/2 Tasse gequetschte Banane
  • etwas Fruchtgelee

Instructions

  1. Alle trockenen Zutaten in einer Schüssel vermischen.
  2. Den Salat mit Milch und Öl in einem Mixer pürieren.
  3. Die gequetschte Banane kurz mit der grünen Masse vermischen - nicht mit pürieren!
  4. Die nassen Zutaten mit einem Holzlöffel oder ähnlichem in wenigen Zügen vermengen - nicht zu stark rühren, damit der Teig fluffig bleibt.
  5. Den Teig in die vorbereiteten Muffinförmchen füllen.
  6. Bei 175° etwa 20 Minuten backen.
  7. Die noch heißen Muffins mit etwas Fruchtgelee bepinseln. (Bei mir Holundergelee, klassischerweise benutzt man für das sogenannte Aprikotisieren Aprikosenkonfitüre)
https://emiliestreats.de/die-suche-nach-dem-grunen-muffin/

 

Quelle: https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/pseudovitamine/

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10 comments

Papa June 7, 2015 - 09:58

Also ich finde die Idee und die Geschiche der Realisierung sehr beeindruckend.
Du bleibst wirklich dran .. !!

Was hältst du davon, anstatt mit Salat mal mit grünen Stevia-Blättern zu experimentieren. Da kannst Du vielleicht den braunen Zucker stark reduzieren. ::)

Reply
emilie June 7, 2015 - 18:17

Das ist eine tolle Idee! Stevia wächst gerade fleißig auf meinem Balkon, ich plane damit auch schon einige sommerlich-frische Rezepte… ;)
Ein Steviagebäck klingt auch wahnsinnig spannend, das setz ich auf meine Agenda!
Liebste Grüße,
Emilie

Reply
Thorsten Schmidt June 13, 2015 - 14:10

Großartige Geschichte, großartige Bilder! Mach weiter so, liebe Emilie!
Basti-Vati

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Dagmar June 16, 2015 - 21:20

Hallo Emilie,
wirklich tolle Seite ich schau jetzt öfter mal vorbei. Grüne Muffins finden die Kids bestimmt spannend.

Lieben Gruß

Reply
Emilie June 16, 2015 - 22:52

Hey, schön, dass dir die Seite gefällt!
Gerade Kindern kann man die Muffins gut als Popeye oder Hulk Muffins verkaufen. Super cool, denn grüne Muffins hat niemand! ;D
Wir Älteren sind bei grünem Gebäck eher nicht mehr so neugierig, wir uns erstmal überwinden.
Liebe Grüße, Emilie

Reply
Karin July 16, 2017 - 21:48

Ich habe die grünen Muffins heute ausprobiert – mit 120 g Feldsalat, mehr war nicht da – und muss sagen, die waren überraschend lecker. Und auch sehr locker und gleichzeitig saftig, sowohl frisch und warm als auch später und abgekühlt. Hatte sie etwas länger im Backofen (so 30-35 Minuten), was allerdings der Farbe sehr geschadet hat, die kamen dann eher kuhfladen-braun ? aus dem Ofen als so schön grün wie auf deinem Foto. Aber die hatten was, definitiv – der “Grün-Geschmack” passte überraschend gut. Könnte ich mir eventuell auch mit Kokosraspeln vorstellen und werde das ganz sicher ausprobieren. Hätte nicht gedacht, dass daraus mehr als ein einmaliges Experiment wird, haben jetzt aber einen Platz in meiner Rezepteliste bekommen. Danke für’s hartnäckige Dranbleiben und das (bis auf die Farbe) kaffeetischtaugliche Ergebnis!

Reply
Emilie July 18, 2017 - 21:44

Liebe Karin,
es freut mich sehr, dass jemand sich an eines der ersten Rezepte wagt, die ich auf meinem Blog geteilt habe. Toll, ich war damals so stolz auf die grünen Frösche. :D Hier ein paar Tipps, um die grüne Farbe auch beim Backen beizubehalten:
– Benutze etwas mehr Vitamin C – das verhindert im gewissen Maß das Oxidieren der Farbe! Streiche am besten etwas Zitronensaft auf die Muffins drauf.
– Decke die Muffins ab, sobald sie aufgegangen sind. Oder backe sie etwas länger, aber bei geringerer Temperatur.
Super, dass du Spaß am Experimentieren hast! Sag Bescheid, wenn dir eine erfolgreiche Rezeptabwandlung geglückt ist. :)
Liber Gruß,
Emilie

Reply
Karin July 21, 2017 - 16:34

Danke für die Tipps! Man mag es kaum glauben, aber ich backe die Teile morgen schon wieder und werde deine Ratschläge befolgen. Die restlichen habe ich übrigens am nächsten Tag mit ins Büro genommen und man war… naja, schon eher geneigt, bei den Alternativen (normal-Mehl mit Nutellakern und Zitronenmuffins) zuzugreifen, aber sich vorsichtig ein Stück abgeschnitten und probiert haben alle mal – und waren sich einig: nicht so schrecklich, wie es klingt. Schon irgendwie interessant. Einer hat auf “Zutat Lakritz” getippt. ? Mal sehen, wie sie morgen so ankommen. Ich werde berichten!

Reply
Karin July 22, 2017 - 20:46

Bericht: sehr viel grüner! Hatte Spinat, habe Zitronensaft verwendet, abgedeckt und die Temperatur niedriger gedreht + länger gebacken. Welche der Maßnahmen jetzt ausschlaggebend war oder ob alle zusammen – keine Ahnung. ?

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Emilie July 24, 2017 - 10:01

Sicherlich alles zusammen. :D Wunderbar, na dann mal schauen, wie die Reaktionen jetzt so sind. ;D

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