Afrikanisch Kochen mit Karamba – ein SPD-Spitzenkandidat bei uns zuhause

by Emilie
Afrikanisch Kochen mit Karamba – ein SPD-Spitzenkandidat bei uns zuhause

Ay Karamba! :D Wie ist das denn passiert? Da hatten wir doch tatsächlich den SPD-Spitzenkandidanten Dr. Karamba Diaby bei uns im Wohnzimmer, quatschen mit ihm über den Umbau des Bildungssystems und den Rest seines Wahlprogramms, kochten zusammen sein Lieblingsessen und schauten Die Wahlarena mit seinem Chef. Wie es dazu kam und was er zu Nachhaltigkeit, Kochen und Rechtsextremismus zu sagen hat, lest ihr jetzt hier!

Kennst du schon… Karamba Diaby?

Als ich von meinem Wandertrip zurück kam und mein Freund und ich gemütlich durch Halle schlenderten, sprangen uns natürlich an jeder Ecke die aktuellen Wahlplakate ins Auge. „Für Mut, gegen Armut“, „Digital first, Bedenken second“, „Hier könnte ein Nazi hängen“ und auch: „Sozial, gerecht, Karamba“.

„Kennst du schon Karamba?“, fragte mich Basti. „Hm. Ja, kenn ich vom SPD-Plakat“. Ich war nicht sonderlich erpicht auf eine politische Debatte. „Der kocht auch voll gern und ist auf Reddit schon die totale Trendfigur!“, versuchte Basti, mich weiter zu ködern. „Und den kann man auch zum Kochen einladen!“ „Afrikanisch kochen? Darauf hab ich Lust!“

Mit diesem Satz hatte ich die Sache besiegelt. Wir würden Karamba zum Kochen einladen, denn wenn er das anbietet, muss er’s auch halten. Wir schrieben ihm am gleichen Abend noch eine E-Mail, lockten ihn mit Schlagworten wie „Foodblogger“, „Reichweite“ und „größtes Onlineforum der Welt“. Wir versprachen ihm einen Beitrag auf meinem Blog und eine Fragerunde auf Reddit. Und Karamba biss an.


Ausflug: Das ist Dr. Karamba Diaby:

  • im Senegal geboren, wuchs als Waise bei seiner Schwester auf und kam per Stipendium nach Deutschland
  • in der damaligen DDR studierte er in Halle Chemie
  • verheiratet ist er mit Ute, einer Agrarwissenschafterlin aus Halle
  • sein Promotionsthema war „Untersuchungen zum Schwermetall- und Nährstoffhaushalt in Halleschen Kleingartenanlagen“
  • 2008 trat er in die SPD ein, sein politisches Interesse begann schon während seiner Studienzeit
  • 2013 zog er für Halle in den Bundestag ein

Politikdiskussionen zuhause – so macht man Politik heute

Für Karamba ist es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Deshalb besucht er hallesche Kleingartenanlagen (Gärten sind seine Leidenschaft), gibt Politikfrühstücke und bietet auf seiner Website an, dass man ihn zu Wohnzimmergesprächen oder zum Kochen einladen könne. Vor allem Politik außerhalb der klassischen Formate findet er spannend. Wir erlebten ihn als aufgeschlossenen Mann, mit einer ruhigen, aber bestimmten Art, der ambitionierte Ziele verfolgt und auf seine heimische Küche ganz besonders stolz ist. Sein mitgebrachtes Rezept hat uns alle von dieser ebenfalls sehr überzeugt, es kommt am Freitag hier auf meinen Blog.

Ein persönliches Vorurteil hat sich bei mir wieder bestätigt: Politiker reden viel. Jeder Politiker redet viel. ;)

Fragerunde auf Reddit

Eine gute halbe Stunde verbrachten wir mit einem Kreuzfeuer aus Fragen aus dem deutschen Subreddit. Basti hatte vorab in dem großen Onlineforum unsere Situation beschrieben und nach Fragen für Karamba gefragt. Hier kommt ihr zu dem Originalpost, der sogar gepinnt wurde. ;) Karamba schlug sich wacker, wir hatten Hunger und so war dann doch eine gewisse Erleichterung zu spüren, als wieder fleißig in den Töpfen gerührt wurde.

Hier kommt ihr zu allen Antworten auf die Fragen.

Übrigens: Das Titelbild dieses Posts kommt auch von den kreativen Reddit-Usern. ;)

 

Wir fragen, Karamba antwortet

Nach dem gemeinsamen Essen stellte ich Karamba noch ein paar seichtere Fragen, bevor wir uns alle auf die Couch zum gemeinsamen Fernsehabend gesellten. Für mich und euch habe ich Karamba zu den Themen Nachhaltigkeit, Ernährung und Alltagsrassismus befragt.

 

F: Wir haben uns zum Kochen getroffen, weil wir die Liebe für’s Essen gemeinsam haben und wissen, dass frisch Kochen Teil einer gesunden Ernährung ist. Doch kommst du als viel beschäftigter Politiker überhaupt dazu?

A: Manchmal kommt es an stressigen Tagen vor, dass mich ein Mitarbeiter erinnern muss, dass ich etwas essen sollte. Zuhause versuche ich so oft wie möglich zu kochen. Das macht mir Spaß und ist entspannend.

 

F: Kochst du vor allem afrikanisch, so wie heute, oder landen auch mal Buletten auf dem Tisch? Wie oft in der Woche isst du Fleisch?

A: Ich koche ausschließlich afrikanisch, da bin ich sogar recht einseitig. Ich habe meine fünf Standardgerichte, die ich sehr gerne koche. Ich mag zum Beispiel Thieboudienne – Fisch mit Reis. Ich esse leider zu viel Fleisch. Immer, wenn ich koche, also so zwei bis dreimal die Woche, gibt es Fleisch.

 

F: Du sagst, du isst „leider“ zu viel Fleisch. Heißt das, dass du denkst, wir sollten alle etwas weniger Fleisch essen? Welche Argumente tragen diese Einschätzung besonders, z. B. Gesundheit oder auch Nachhaltigkeit?

A: Es geht mir um die artgerechte Tierhaltung. Oft sind die Tiere auf engstem Raum gedrängt und müssen über weite Strecken transportiert werden. Und für die Umwelt ist die industrielle Tierhaltung nicht zuträglich. Die Tiere erhalten Kraftfutter, meist Soja und dafür wird Regenwald abgeholzt. Das muss uns zu denken geben.

 

F: Wie denkst du, schaffen wir es, Fleisch wieder das Image eines Luxusgutes zu geben, das man eher in qualitativ hochwertiger Form und dafür seltener isst? So war das früher ja mal gewesen. Könnte die Bildung eine größere Rolle übernehmen oder siehst du eher die Familie in der Pflicht?

A: Ich denke Bildung spielt eine sehr große Rolle. Wenn wir besser verstehen, was für die Erde und den Menschen gut ist, dann werden wir auch bessere Entscheidungen treffen. Die Familien müssen das dann auch umsetzen.

 

F: Mir ist das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig. Hier zuhause schmeißen wir kaum was weg und versuchen, Plastikmüll zu vermeiden. Während meines politischen Jahres habe ich Politik-Veranstaltungen vor allem als Netzwerktreffen und Fressgelage kennengelernt. Was passiert mit den Nahrungsmitteln, die bei solchen Veranstaltungen übrig bleiben? Weißt du das?

A: Das ist etwas verkürzt dargestellt. Ich bin seit über 30 Jahren im politischen Umfeld unterwegs und weiß, dass es in erster Linie darum geht, soziale Lösungen auf soziale Probleme zu finden. Nebenbei gibt es natürlich immer etwas zu essen, vor allem auch deshalb, weil die Veranstaltungen meistens länger dauern. Wir vermeiden dabei auch Plastikmüll und schmeißen kaum etwas weg.

 

F: Kennst du die Initiative Foodsharing? Ich war lange aktives Mitglied der Foodsharinggruppe in Halle und weiß, dass viele Aktionen in der Grauzone liegen. An öffentlichen Orten Essen zu verschenken macht Dreck und Arbeit, Containern ist Hausfriedensbruch und Diebstahl. Was denkst du über die Ideen und das Konzept von Foodsharing?

A: Ja, das ist eine tolle Initiative, die sich dafür einsetzt, Verschwendung von Essen zu vermeiden. Ich unterstütze sie ausdrücklich.

 

F: Wir leben seit drei Jahren in Halle. Seit etwa einem Jahr sehen wir immer mehr Migranten. Leider kriegen auch wir die rassistischen Äußerungen der Rechtspopulisten mit und nehmen die Schmierereien an den Wänden wahr. Hast auch du vermehrt mit Rassismus zu kämpfen oder war das schon immer so? Oder begegnest du sowas gar nicht?

A: Rassismus ist definitiv nicht nur ein Ostproblem. Wir müssen für einen starken Zusammenhalt in ganz Deutschland kämpfen.. Leider muss ich sagen, dass die Anfeindungen in den letzten Jahren zugenommen haben. Man sieht das allein schon an den vermehrten Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. Ich persönlich bemerke Alltagsrassismus vor allem in den Sozialen Medien und da auch einen Anstieg. Das bereitet mir große Sorge.

 

F: Bevor wir dich gehen lassen: Woher kommt eigentlich dein total cooler Name?! Hat der eine Bedeutung?

A: Der Name Karamba heißt auf Mandingo „Gelehrter“. Das bin ich noch nicht ganz geworden, aber ich gebe mein Bestes.

 

Danke an Karamba für den spannenden Abend! :)

Das könnte dir auch gefallen:

Leave a Comment

Hier gibt es Cookies! Ist das okay für dich? Das ist okay. Ich geh mal wieder.

Datenschutz und Cookies