{Zuckersteuer Teil 1} Ich bin für eine Zuckersteuer – und hier ist warum

by Emilie

26 Länder haben sie schon, Jamie Oliver tanzte dafür im Fernsehen und in diesem Jahr werden fünf weitere Länder, unter anderem Großbritannien, sie neu einführen: Heute reden wir über die sogenannte Zuckersteuer, die Hersteller zuckerhaltiger Getränke zu einer Abgabe verpflichtet und so Softdrinks und Co. im Preis erhöht.

Da ich immer wieder mit Diskussionen zu dem Thema konfrontiert werde, möchte ich hier und heute mein Statement setzen. (Springt für meine persönliche Meinung zum unteren Teil des Artikels.) Für eure Argumente bin ich sehr offen, bitte teilt sie mir als Kommentar unter diesem Beitrag mit oder schreibt mir eine Nachricht.

Zuckersteuer

1. Der Ansatz

Die grundsätzliche Idee der Zuckersteuer kennen wir zum Beispiel von der Tabak- oder Alkoholsteuer. Ein Verbrauchsgut wird mit einer Herstellerabgabe belegt, die die Preise im Verkauf indirekt in die Höhe treibt. Meistens laufen gleichzeitig Aufklärungskampagnen von Politik und Medien gegen das gesundheitsschädliche Konsumgut. Die Hoffnung dahinter: Die Verbraucherinnen und Verbraucher verstehen den Wink und greifen auf gesündere Alternativen zurück.
Übrigens: Eine Verbrauchssteuer gibt es aber auch auf Kaffee, Energie und Strom.

2. Die Vergangenheit

Eine Verbrauchssteuer auf Zucker gab es bereits, zunächst als Luxussteuer (Zucker war sehr wertvoll), später dann als klassische Herstellerabgabe im großen Stil. Mit dem 1993 in Kraft tretenden EG Binnenmarkt wurde die Steuer dann jedoch abgeschafft, um innerhalb der EU Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

3. Die aktuelle Situation

Aktuell wird die Zuckersteuer immer wieder heiß diskutiert. Vor allem eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke wird favorisiert. Die WHO empfiehlt für alle Regierungen eine Abgabe auf Softdrinks von 20 Prozent, der Verein Foodwatch stimmt dem zu. Auch im Gesundheitsausschuss des Bundestages gibt es Sympathisanten für die Zuckersteuer, jedoch auch noch genug Menschen, die eine Abgabe kritisieren.

4. Warum sinnvoll?

Zuckerhaltige Getränke werden weltweit als Auslöser Nummer 1 gehandelt, wenn es um die Ursachen ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes Typ II, Adipositas oder auch Karies geht. Vor allem bei Kindern legt ein hoher Konsum von Softdrinks und Saft den Grundstein für Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht, Folgeerkrankungen gehen mit einer höheren Sterblichkeit daher.

P.S.: Warum gerade Getränke problematisch sind, könnt ihr hier  nachlesen.

5. Die Kritik

Eine Steuer auf ein Konsumgut wird von vielen Menschen als kritisch angesehen. Hier kommen die meist genannten Argumente, die gegen eine Zuckersteuer sprechen:

  • Freiheitsberaubung und Totalisierung

Hat die Politik das Recht, zu bestimmen, wie wir uns zu ernähren haben? Nein, auf keinen Fall. Doch genau das ist die Angst, die mitschwingt, wenn über eine Steuer für ungesunde Lebensmittel geredet wird. Die meisten Menschen möchten sich nicht belehren lassen und schon gar nicht von ganz oben.

  • Überproportionale Belastung einkommensschwacher Familien

Da bei einkommensschwachen Familien die Ausgaben für Lebensmittel prozentual höher liegen und diese zusätzlich auch häufiger zu Softdrinks greifen, wird die Preisschraube diese Menschen am meisten belasten. Diskutiert wird, ob gleichzeitig eine Senkung der Umsatzsteuer auf gesunde Lebemittel sinnvoll wäre, um diese Belastung auszugleichen (und nebenbei den Wechsel auf einen gesunden Einkauf leichter zu machen).

  • Substitutionsproblem:

Was trinkt der Verbraucher, wenn Softdrinks teurer werden? Im Idealfall: Wasser oder Tee. Im Zweifelsfall: Mehr Bier, Popdrinks oder Wein.°

°https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29363613

6. Argumente für eine Zuckersteuer

Mal von dem offensichtlichen Grundgedanken abgesehen, dass eine Erhöhung des Preises die VerbraucherInnen zum gesünderen Einkauf anregen soll, gibt es noch ein paar zusätzliche Dinge, die eine Zuckersteuer besser machen könnte:

  • Eine innovativere, gesündere Industrie

Hersteller würden motiviert, mehr Hirnschmalz auf die Entwicklung gesünderer Getränke zu verwenden. 30 g Zucker in einer Flasche lassen sich im Moment vielleicht gut verkaufen, würde die Industrie Dank Zuckerabgabe dann aber auch richtig was kosten. Der monetäre Anreiz wäre da, Getränke mit weniger und natürlicher Süße zu entwickeln.

  • Ein Schubs zur gesünderen Lebensweise

Mit einer gleichzeitigen Absenkung der Grundsteuern für z. B. Gemüse würde eine gesunde Lebensweise für alle Einkommensklassen erschwinglicher werden. Wenn gesunde Lebensmittel günstiger sind als ungesunde, ist der Weg zu einem pflanzenbasierten, zuckerärmeren Lebensstil einfacher zu gehen.

  • Keine Verbote, nur geringfügige Preisanpassung

Bei einigen heißblütigen Diskussionen möchte man meinen, man nehme den Menschen was weg. Doch keine Sorge: Alle zuckrigen Drinks gäbe es auch weiterhin zu kaufen, nur eben zu leicht angehobenen Preisen. Ihr dürft euch auch weiter noch ungesund ernähren, wenn ihr darauf ab und an Bock habt.

7. Meine Meinung

Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ auf dem deutschen Markt enthält über fünf Prozent Zucker. Davon betroffen sind nicht nur Limonaden und Energydrinks, nein, auch als kinderfreundlich beworbene Saftschorlen decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Zucker mit einem halben Liter ab. Ich bezweifle, dass das den meisten VerbraucherInnen bewusst ist. Bei einem Pro-Kopf-Konsum von 149 Litern zuckerhaltiger Getränke im Jahr gehe ich zumindest nicht davon aus.

Geht das denn auch anders? Na klar, es gibt genug Schorlen und (Bio-)Limos, die mit weniger Zucker noch genauso gut schmecken – Doch die Industrie sieht es überhaupt nicht ein, ihre Rezepturen in diese Richtung anzupassen. Das Zeug wird doch gekauft, warum also teuer abändern? Eine „Strafsteuer“ auf überzuckerte Getränke würde diesen Anreiz vielleicht schaffen.

Auf jeden Fall wäre eine Zuckersteuer ein klares Zeichen in die richtige Richtung. Eine Veränderung im Ernährungsverhalten kann mit einer Veränderung des Umfelds („Make the easy choice the healthy choice“) und ausreichend Aufklärung erreicht werden. So weit die Theorie, doch auch die Praxis in anderen Ländern zeigt bereits: Nach Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke (z. B. in Frankreich, Finnland, Mexiko…) ging der Absatz deutlich herunter.

Und jetzt mal ganz ehrlich. Die Diskussion, eine Zuckersteuer würde die Wahlfreiheit der Bevölkerung einschränken, ist witzlos. Unsere Wahlfreiheit wird bereits tagtäglich eingeschränkt, indem Lebensmittelhersteller in die unmöglichsten Produkte Zucker zusetzen. Wenn wir uns die Entscheidung für eine billige, ungesunde Variante nicht nehmen lassen wollen, sollten wir genauso laut nach einer Wahlmöglichkeit für gesunde Alternativen schreien. Und die gibt es sehr oft nicht, vor allem, wenn wir an Situation außerhalb des Supermarktes denken.

 

Und was meint ihr?

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5 comments

Verena March 22, 2018 - 17:28

Vergessen wir mal die Erwachsenen, die sollen machen was sie für nötig halten. Ich finde es problematisch, dass es mittlerweile Usus ist, selbst 1jährigen Kindern schon Cola und Limo statt Wasser zu reichen. Und zwar egal in welcher Bildungsschicht. Oft gesehen, oft gewundert. Diese Kinder haben nicht die Wahlfreiheit, weil der Zucker sie triggert und die Entscheidung, was konsumiert wird, bei ihren Eltern liegt. Her mit der Zuckersteuer!

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Emilie March 22, 2018 - 17:33

Hi Verena, wie schön, von dir zu lesen! :) Sehe ich ganz genauso. Und das Argument “Sie trinken sonst nichts” zieht einfach nicht. Da wird oft der vermeintlich leichteste Weg gegangen…

Reply
Jenni March 24, 2018 - 10:58

Liebe Emilie,

ich finde diesen Beitrag sowas von wertvoll und frage mich, warum nicht noch breiter in der Öffentlichkeit darüber diskutiert wird.
Ich bin sehr für eine Zuckersteuer und denke ebenfalls, dass das Argument, man würde dann in seiner Wahlfreiheit eingeschränkt, nicht greift. Wenn man wirklich Zuckerhaltiges haben möchte, kann man sich das dann immer noch kaufen – niemand hält einen davon ab.
Und – ganz ehrlich: Umgekehrt hat uns die Industrie – wie du ja auch schon angesprochen hast – seit den 60ern die Wahl ebenfalls genommen. Nur eben in die andere Richtung: Zuckerfreies oder Dinge mit wenig Zucker zu finden, ist quasi unmöglich geworden. Ich raste jedes Mal gekonnt aus, wenn ich mal in der Notsituation bin, etwas industriell Gefertigtes konsumieren zu wollen, weil ich meine eigenen Sachen zuhause vergessen habe oder einfach kein frisches Obst und Gemüse in der Nähe ist. Ich verzichte dann stets auf das Essen, weil ich genau weiß, wie schlecht ich mich nach solchen Zuckerbomben fühle.
Und das kann doch eigentlich auch nicht Usus sein – vor allem, wenn man sich vor Augen führt, was Zucker in diesen Mengen in unserem Körper anrichtet…

Danke dir für deine Anregungen – die kann ich so absolut unterschreiben!

Liebe Grüße
Jenni

Reply
Sanny March 31, 2018 - 18:41

Mein Sohn hat das 1. Lebensjahr gar nichts getrunken außer seine Milchmahlzeiten. Es gab dennoch keine süßen Getränke, denn der Stuhlgang war normal. Irgendwann fand er seinen Durst ganz alleine. Bei uns gibt es ungesüßte Tees oder Wasser. Gerade bei Getränken ist die Menge schlecht einschätzbar.
Ab und zu gibts aber auch bei uns mal Saft, Softdrinks etc, aber er kann nie sagen Wasser schmeckt mir nicht ;-)
Wir legen den Grundstein für unsere Kinder

Reply
Emilie April 5, 2018 - 16:44

Das klingt sehr gut, wie ihr das handhabt! Ungesüßter Tee kann auch süß schmecken – es gibt schöne Varianten mit Stevia im Handel. Toll, dass ihr den Kindern ein gutes Vorbild abgebt, denn sie schauen viel von euch ab.
Viele Grüße,
Emilie

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