Zu Gast: Mia berichtet über Zero Waste im Alltag

by Emilie
Zu Gast: Mia berichtet über Zero Waste im Alltag

Mein Name ist Mia, ich bin 24, Heilerziehungspflegerin, begeisterte Veganerin, chronisch am Fernweh erkrankt, und zur Zeit als Au Pair in Washington D.C. zuhause. Ein weiteres kleines „Zuhause“ von mir ist mein “Kleiner Freitag”. Hier teile ich von Rezepten über DIY-Ideen bis hin zu Reisetipps alles, was mich bewegt.

Heute bin ich bei der zauberhaften Emilie zu Besuch, um euch etwas über eine ganz besondere Herzensangelegenheit von mir zu erzählen:

Zero Waste

Schaut euch doch einfach mal in eurer Wohnung um.

Wie viele Dinge könnt ihr mir auf Anhieb nennen, die nach einmaligem oder kurzweiligem Gebrauch weggeschmissen werden?

Taschentücher? Rasierklingen? Shampoo? Schwämme? Lebensmittelverpackungen? Tampons? Küchentücher? Zahnbürsten? Putzmittel? Slipeinlagen? Frischhaltefolie? Zahnseide? Kaffeekapseln? Kosmetika?

Die Liste könnte ich unendlich weiterführen und auch euch sind bestimmt viele Dinge auf Anhieb eingefallen.

Dass diese Gegenstände super praktisch im Alltag sind, will ich gar nicht bestreiten. Doch sie sind auch für riesige Ressourcenaufwendungen, Mülldeponien und verschmutze Ozeane verantwortlich.

Der Zero Waste Lifestyle will genau diesen Zustand ändern. Durch die Vermeidung bestimmter Artikel oder durch wiederverwendbare Alternativen sollen Mensch, Tier und Umwelt entlastet werden.

Jetzt steht man natürlich erst einmal wie der Ochs vorm Berg und fragt sich wie Zero Waste im Alltag funktionieren soll. Wo fängt man am Besten an?

Zero Waste ist auf 5 Prinzipien aufgebaut, die bei der Umsetzung im Alltag sehr hilfreich sind. Die sogenannten „5 R’s“ sind ganz bewusst in dieser Reihenfolge aufgeführt und sollten auch in dieser eingehalten werden.

Refuse (Vermeiden)

Ein müllreduzierter Lebensstil beginnt außer Haus. Es geht darum den späteren Müll erst gar nicht in die Wohnung einziehen zu lassen, zum Beispiel Plastiktaschen, Wurfsendungen, Verpackungsmaterial und kostenlose Proben.

Reduce (Reduzieren)

Je weniger wir besitzen desto weniger Gedanken müssen wir uns darum machen, desto weniger kann kaputt gehen und desto weniger muss ersetzt werden. Klingt logisch, oder? Ist natürlich aber leichter gesagt als getan. Es geht bei Zero Waste aber tatsächlich auch darum sich immer wieder zu fragen „Brauche ich das WIRKLICH?“. Brauche ich wirklich 20 paar Schuhe? Brauche ich wirklich fünf verschiedene Gesichtscremes?

Reuse / Repair (Wiederverwenden / Reparieren)

Was machen wir wenn das Shirt ein Loch hat? Was machen wir wenn der Fön plötzlich nicht mehr richtig funktioniert? In aller Regel ersetzen wir diese Produkte durch Neue. Doch das geht auch anders! Zum Beispiel in den sogenannten Repair Cafés. Hier kann man zusammen mit handwerklich begabten Menschen den zickigen Fön reparieren und gleichzeitig noch etwas lernen! Und kaputte Shirts lassen sich ganz schnell und einfach in Putzlappen verwandeln.

Recycle (Recyceln)

Recyceln wird in unserer Gesellschaft groß geschrieben. Alles was recycelt werden kann, ist automatisch „grün“ und deshalb auch umweltfreundlich. Doch ist das wirklich? Plastik zum Beispiel ist auf Grund seiner ungünstigen und teilweise sehr unterschiedlichen Zusammensetzung nicht wirklich recycelbar. Man spricht hier von downcycling. Des Weiteren entstehen bei diesem Prozess eine Vielzahl an Giftstoffen. Nicht wirklich grün, oder? Auch muss bedacht werden, dass Produkte die zwar recycelt werden können, erst einmal produziert werden müssen. Dies bedeutet immer einen großen Arbeitsaufwand und eine große Menge an Ressourcen wie Wasser, oder etwa Holz (Papier).

Deshalb steht recyceln ganz bewusst an vorletzter Stelle.

Rot (Kompostieren)

Viel zu viele organische „Abfälle“ landen in Deutschland im Restmüll. Dabei handelt es sich bei unseren Lebensmitteln ganz und gar nicht um Müll! Richtig verwertet bieten sie uns einen wertvollen Nährboden für neue Pflanzen. Um die Frage vorweg zu nehmen: Ja, auch für die kleine Zweiraumwohnung ohne Balkon gibt es Möglichkeiten zu kompostieren, zum Beispiel den Bokashi (http://www.zerowastefamilie.de/Bokashi.htm ) oder die Wurmkiste (http://wilma-wurmkiste.de )!

So, das war’s nun erst einmal mit der ganzen Theorie. Jetzt geht’s ab in die Praxis!

Nachfolgend habe ich euch ein paar Beispiele aufgeführt, wie ihr bestimmte Wegwerfartikel ganz einfach ersetzen könnt.

Einkaufen

 Plastik(tüten)

Plastiktüten könnt ihr ganz einfach durch waschbare Stofftaschen ersetzen. Auch das Verpacken von losem Gemüse und Obst im Supermarkt könnt ihr durch wiederverwendbare Baumwollbeutel plastikfrei gestalten. Solltet ihr das große Glück haben und noch weitere Waren in eurer Umgebung lose erhalten, so eignen sich auch Schraubgläser hervorragend zum Abfüllen.

Zero Waste

Küche

Küchentücher & Spülschwämme

Aus hygienischen Gründen sollten Schwämme regelmäßig ersetzt werden. Auf das Jahr gesehen kommt so eine ganze Menge Müll und auch Geld zusammen! Wie wäre es stattdessen mit waschbaren Schwämmen und Spültüchern, die mit ihren bunten Farben auch noch richtig gute Laune versprühen? Für die allseits beliebten Küchentücher gibt es auch eine ganz einfache Lösung, die wahrscheinlich schon jeder Zuhause hat: Geschirrtücher und kleine Gästehandtücher. Diese sind genauso saugfähig und sehen meiner Meinung nach auch viel besser aus als die Wegwerfvariante aus Papier!

Zero Waste

Papiertaschentücher & Papierservietten

Nicht nur unterwegs verwenden wir gerne Papierservietten. Die meisten werden sie wohl auch Zuhause haben. Warum eigentlich? Was in guten Restaurants völlig normal ist, kann doch für das heimische Dinner gerade nur gut genug sein: Stoffservietten.

Die gibt es nicht nur in wunderschönen Farben und Mustern, sondern sie können nach dem Gebrauch ganz einfach mit der anderen Wäsche gewaschen und anschließend wiederverwendet werden.

Genauso verhält es sich mit den Papiertaschentüchern.

Wann haben wir angefangen so eine unglaubliche Wegwerfgesellschaft zu werden? Dabei wussten wir doch schon, wie es richtig geht! Meine Oma und mein Opa haben immer Stofftaschentücher verwendet. Warum tun wir das heute nicht mehr? Stofftaschentücher sollten, wie Papiertaschentücher auch, nach einmaligem Gebrauch ausgewechselt werden und können nach dem Waschen wiederverwendet werden – wenn doch nur alles so einfach wäre!

Putzmittel & Waschmittel

Reinigungsmittel sind nicht nur fast immer in Plastik verpackt, sie beinhalten daneben auch noch eine Vielzahl an gefährlichen Inhaltsstoffen. Nicht umsonst sind auf den Verpackungen immer viele bunte Schadstoff- und Warnhinweise gedruckt. Warum also nicht einfach selber machen? Das geht super einfach, schnell und ist dabei auch noch um einiges günstiger. Tolle Anleitungen findet ihr zum Beispiel hier: http://www.zerowastefamilie.de/Putzen-und-Waschen.htm

Zero Waste

Badezimmer

Zahnbürste & Zahnpasta

Aus hygienischen Gründen sollte eine Zahnbürste spätestens nach drei Monaten ausgetauscht werden. Da sammelt sich über die Jahre eine ganz schöne Zahl an Plastikmüll an. Von der verwendeten Zahnpasta mal ganz abgesehen. Inzwischen gibt es einige Hersteller, die Zahnbürsten aus Bambus anbieten. In der Regel sind diese, abgesehen von den Borsten, kompostierbar. Das Zahnpastaproblem lässt sich ganz einfach durch Selbermachen (http://www.trashisfortossers.com/2013/10/zero-waste-toothpaste.html ) lösen.

Zero Waste

Pflegeprodukte & Abschminktücher

Habt ihr schon einmal einen Blick auf die Inhaltsstoffe eurer Pflegeprodukte geworfen? Selbst bei Naturkosmetik wird einem manchmal fast schwindelig von der Vielzahl unaussprechlicher Inhalte. Diesem Problem und natürlich dem Verpackungsdilemma könnt ihr ganz einfach entgehen, indem ihr Body Butter, Gesichtswasser und Co. selber macht. Für flüssiges Shampoo und Duschgel in der Plastikflasche gibt es tolle Alternativen in fester Form, zum Beispiel von LUSH.

Für herkömmliche Wattepads gibt es eine Lösung, die sogar noch viel schöner anzusehen ist: Wiederverwendbare aus Stoff! :-)

Zero Waste

Monatshygiene

Im Durchschnitt haben Frauen über 35 Jahre hinweg ihre Periode. Da sammelt sich ganz schön viel Müll an! Und auch im Alltag tragen Slipeinlagen zu einer immensen Umweltbelastung bei. Da habe ich für mich inzwischen wirklich DIE Lösung gefunden: Der Menstruationscup und Slipeinlagen aus Stoff! Die beiden Helden sind nicht nur umweltfreundlich, sie sind auch noch wesentlich gesünder für euren Körper! Sie wurden weder gebleicht, noch mit unnötigen Duftstoffen belastet und lassen sich ganz einfach reinigen und wiederverwenden!

 

Zero Waste

Unterwegs

Strohhalme, Einwegbecher & Plastikbesteck

Vor allem wenn man unterwegs ist kommt ganz schnell eine Menge Abfall zusammen. Da ist der schnelle Coffee to go, das Plastikbesteck zum Lunch, die Papierserviette und der Pappbecher inklusive dem Strohhalm für den Softdrink. Ganz selbstverständlich konsumieren wir all diese Wegwerfartikel. Dabei geht es auch anders! Es gibt wunderschöne Kaffeebecher aus Keramik zum wiederverwenden und auch das Softdrinkproblem lässt sich durch ein mitgebrachtes Glas ganz einfach lösen. Wer auf Strohhalme nicht verzichten möchte kann auf die Alternative aus Edelstahl oder Glas zurückgreifen. Mitgebrachte Aufbewahrungsbehälter und wiederverwendbares Besteck ersparen einem auch beim Auswärtsimbiss das Plastikgeschirr.

Zero Waste

Na, konnte ich euer Interesse für dieses so wichtige Thema wecken?

Dann schaut doch gerne mal auf meinem Blog vorbei. Hier habt ihr die Möglichkeit mich auf meiner Zero Waste Reise zu begleiten und euch weiter inspirieren zu lassen!

Gibt es noch etwas, dass ihr genauer wissen wollt? Oder ist euch ein konkreter Alltagsgegenstand eingefallen für den ihr gerne Ersatz finden würdet?

Ich freue mich wirklich sehr über eure Fragen!

Vielen Dank, liebe Emilie, dass ich heute dein Gast sein durfte!

Es hat mir sehr viel Freude bereitet! :-)

 

Habt einen wundervollen Tag!

Viele herzliche Grüße

Mia

 

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