Wissensbisse

Wissensbisse

Auf meiner Facebookseite startete ich vor einiger Zeit ein kleines Projekt. Unter dem Hashtag #wissensbisse poste ich immer mal wieder kurze, interessante Infos zum weiten Thema Ernährung.

Hier findet ihr alle bisher geposteten Wissensbisse in chronologisch aufsteigender Reihenfolge. Viel Spaß beim Stöbern!


Warum sollen wir nur 15g Chiasamen am Tag essen?

Chiasamen sind in aller Munde. Mit 5mal mehr Kalzium als Milch, 3mal mehr Eisen als Spinat, 3mal so viel Proteinen wie Kidneybohnen, einer Menge ungesättigter Fettsäuren, antioxidativer Eigenschaften und und und werden sie – zu Recht – als Superfood vermarktet. *

Doch habe ihr euch schon einmal gefragt, warum auf den Packungen der Samen immer die Warnung steht, dass wir nicht mehr als 15g Chiasamen zu uns nehmen sollten? Ganz einfach: Chia ist noch so neu, dass es immer noch unter die Novel-Food Verordnung fällt. Erst 2009 kam die Europäische Union zu dem Schluss, dass die “neuartige Lebensmittelzutat” in einer gewissen Menge als unbedenklich in den Handel gebracht werden kann. Doch erst, wenn sich herausgestellt hat, dass die meisten Menschen die Samen gut vertragen, wird dieser Aufdruck verschwinden. In Backwaren sind die Mengen übrigens auf 5% begrenzt. – Würde die Kiwi erst in diesen Jahren in Europa bekannt werden, würde sie übrigens nicht mehr als unbedenkliches Lebensmittel durchgehen. Da so viele Menschen an einer Kiwiallergie leiden, wäre dann auch die grüne Frucht ein Novel-Food.

(*Die Angaben beziehen sich jeweils auf 100g. Dabei git zu beachten: 100g Spinat isst man schnell weg, wer 100g Chiasamen auf einmal futtert, leidet aufgrund der quellenden Wirkung dann vielleicht an Verstopfungen …)


Wir können Fett schmecken – der 6. Geschmackssinn ist da

Es ist soweit. Der 6. Geschmackssinn “fettig” ist nun offiziell bestätigt worden und wird “oleogustus” genannt werden. Unsere Zunge besitzt also nicht nur für die 5 bekannten Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami Geschmacksrezeptoren. Auch Fettsäuren können wir isoliert wahrnehmen. In einer Studie konnten die Probanden eindeutig fettig schmeckende Aromen von bitteren und sauren unterscheiden. Somit ist die Vermutung der Forscher bestätigt.


Superheldin Spucke – Was sie kann und woher sie kommt

Wisst ihr eigentlich, woher unsere Spucke kommt? Speichel ist gefiltertes Blut!*

Die Speicheldrüsen lassen für den Mund nützliche Stoffe wie Hormone, Kalzium und Abwehrstoffe des Immunsystems durch und halten die roten Blutkörperchen zurück. Jeder spuckt ein bisschen anderen Speichel, doch bei allen erfüllt er aufregende und unterschätzte Funktionen. Die drei überraschendsten folgen jetzt: Speichel ist ein Beschützer erster Ordnung. Da er mit allem, was wir uns in den Mund stecken, am frühsten in Kontakt kommt, steckt er voller Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger, Bakterien und Keime. Gleichzeitig ist er Butler für unsere Zähne. Er reinigt unsere Zähne grob von Nahrungsresten, die kalziumhaltigen Stoffe härten unseren Zahnschmelz, Säuren werden abgepuffert. Ohne Speichel gehen die Zähne in wenigen Tagen kaputt. Speichel enthält ein Schmerzmittel, das viel stärker ist als Morphium – denn unser Mund ist eine Region mit sehr sehr vielen Nervenendigungen. Jedes Krümelchen wird sehr intensiv wahrgenommen und jeder scharfkantige Bissen würde ohne den Speichel höllische Schmerzen verursachen. (Deshalb geht es uns bei Halsschmerzen auch nach dem Essen etwas besser – der Stoff (Opiorphin) lindert beim Schlucken auch den Schmerz im Hals.) –> Sehr sehr spannend: Opiorphin hat auch antidepressive Wirkungen. Kommt daher wohl das Frustessen?

*Anmerkung nach Diskussion: Speichel ist natürlich nicht NUR gefiltertes Blut. Die Speicheldrüsen betreiben ja selbst noch ordentlich Proteinbiosynthese. Allerdings filtern Speicheldrüsen tatsächlich grob gesagt erstmal die Speichelbestandteile aus dem Blut, bevor noch weitere Stoffe hinzu geben werden (Enzyme usw). Sie produzieren dann den eigentlichen Speichel. Je nach Drüse unterscheiden sich die Zellen in den Endstücken (Unterscheidung in seromuköse, mukoseröse, seriöse Drüse) und somit auch das produzierte Sekret. “Gefiltertes Blut” ist somit auch für “Nichtwissenschaftler” heruntergebrochen, die sich mit der gesamten Histologie nicht auseinandersetzen wollen 🙂


Couscous, Bulgur und Co. sind auch nur Nudeln

Egal ob Couscous-, Kritharaki- oder Bulgursalat – diese Sommergerichte haben zwei Sachen gemeinsam: sie klingen super fancy und gesund und bestehen doch alle aus genau dem gleichen Getreide: Hartweizen (Triticum durum). Eine schöne Alternative ist die Hirse, die aus der gleichen Pflanzenfamilie wie der Weizen stammt, jedoch glutenfrei ist. Hirse macht euren Salat zu einer Mineralstoffbombe. Vor allem Flour, Phosphor, Magnesium und Kalium, aber auch Kieselsäure, Eisen und Vitamin B6 sind in den kleinen, fluffigen Kügelchen enthalten. Probiert doch das nächste Mal, bei eurem liebsten “Weizensalat” den Weizen gegen Hirse auszutauschen. Geschmacklich werdet ihr sicher nicht enttäuscht sein und die extra Portion Nährstoffe tut eurem Körper gut.


Warum schmeckt Rote Beete nach Erde?

Rote Beete sieht wunderschön aus, liegt total im Trend und… schmeckt irgendwie nach Dreck. Nein, es liegt nicht an euch, ihr wascht eure roten Rüben sicherlich gründlich genug. Der erdige Geschmack kommt durch einen Stoff namens Geosmin und wird durch Mikroorganismen produziert, die vor allem im Boden leben. Auch an dem Geruch nach einem heftigen Regenschauer, den ich persönlich super beruhigend finde, ist Geosmin beteiligt. Den nennt man übrigens Petrichor. Wer den muffigen Geruch ziemlich abtörnend findet, sollte mal die hell-rosa gestreiften Rüben ausprobieren. In denen ist nicht ganz so viel Geosmin enthalten.


Katzen können Süßes nicht schmecken

Ich jobbe neben meinem Studium in einem wunderbaren Eisladen. Neben allerlei merkwürdigen Kundenvorlieben und -wünschen, verwundert mich ein Pärchen immer wieder. Regelmäßig bestellen sie einen kleinen “Katzenbecher” voll mit blauem Eis: Ihr Liebling äße das so gerne. An dem zuckersüßen Geschmack kann das aber nicht liegen. Denn Katzen haben kaum Süßrezeptoren bzw aufgrund eines fehlenden Genabschnitts nur kaputte. Naschkatzen sind sie also eigentlich nicht – es muss an der fettigen Sahne liegen, dass die Nachbarskatze so gerne Eis schleckt…


Fleisch gilt nun als krebserregend

Dass stark verarbeitete Produkte keinen guten Ruf haben, ist mittlerweile bestimmt jedem von uns aufgefallen. Doch nun wurde verarbeitetes Fleisch von der WHO sogar als krebserregend eingestuft. Pökelfleisch, Schinken, Kassler, Wurst und Co stehen neben Tabakrauch, Alkohol und UV-Strahlung in der Kategorie 1 (krebserregend). Auch rotes Fleisch bekommt sein Fett weg und landet in der Kategorie “wahrscheinlich krebserregend”. Was heißt das nun für uns?

Zu allererst müssen wir uns vor Augen führen, dass diese Einstufung nicht bedeutet, dass wir von Wurst automatisch Krebs bekommen. Die Einstufung sagt nur aus, dass ein hoher Konsum von verarbeitetem Fleisch mit Darmkrebs, aber auch Magenkrebsdiagnosen eng verknüpft ist. Die Einstufung sagt nur aus, wie stark der Zusammenhang schon belegt ist, nicht, wie krebserregend die Subtanz selbst ist. Genauso hoch eingestuft ist z.B. Tabakrauch – hier ist der Zusammenhang genauso gut belegt, Tabak ist aber wesentlich stärker krebserregend. Das bedeutet auch: Das Risiko an Krebs zu erkranken, steigt mit der Menge an konsumiertem Fleisch.

Überraschend finde ich die Einstufung des Pökelfleischs im Übrigen nicht, da mit Nitritsalz haltbar gemachte Produkte schon immer als gesundheitsgefährdend galten. Nitrit kann zusammen mit Aminen, also Eiweißstoffen zum Bsp aus dem Fleisch selbst, Nitrosamine bilden, die schon bei vielen Studien als krebserregend erkannt wurden. Antioxidantien können allerdings diese Reaktion hemmen. Eine exemplarische Studie dazu findet ihr hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1034383 Warum auch rotes Fleisch Krebs hervorrufen kann, können die Forscher nicht genau erklären. Wahrscheinlich ist die hohe Menge an Hämeisen der Grund – zu viel Eisen in unserem Körper kann oxidieren und unsere Zellen angreifen. Es gilt aber weiterhin: Die Dosis macht das Gift. Und dass wir alle weniger Fleisch essen sollten, ist auch aus anderen Gründen wichtig und richtig. Interessiert euch das Thema Pökeln, Haltbarmachen und die damit verbundenen krebserregenden Stoffe? Wenn ja, gebt doch kurz Meldung, dann bereite ich einen Gedankenfutterbeitrag dazu vor. Na dann, ab heute eine Wurst weniger in die Linsensuppe fallen lassen, Papa! ;P Alles Liebe von mir, eure Emilie 🙂


Wusstet ihr, dass unser Körperfett Wärme produzieren kann?

Wir besitzen zwei Arten von Fettgewebe – das weiße ist uns allen wohlbekannt, das braune baut sich nach unserer Säuglingsphase Stück für Stück ab. Braunes Fettgewebe sieht tatsächlich braun aus. Das liegt an den zu Hauf vorkommenden Mitochondrien, den Energieproduzenten unserer Zellen. In den braunen Fettzellen produzieren die kleinen Kraftwerke aber kein ATP, sondern Wärmeenergie. Durch die Oxidation von Fettsäuren werden bestimmte Teile unseres Körpers mit Wärme versorgt. Unser Körper hat den letzen Rest unserer Baby-Heizungsdecke sehr clever untergebracht. Wir finden, auch noch im hohen Alter, braunes Fettgewebe im Halsbereich. Hier laufen viele Hauptgefäße entlang – wird das Blut in diesen aufgewärmt, wird warme Flüssigkeit überall in unserem Körper verteilt. Wie bei einer Heizung!

Okay, ich muss zugeben: Ich könnte noch etwas mehr braunes Fettgewebe gebrauchen. In unseren Breitengraden ist es allerdings so warm, dass die Natur uns damit sparsam ausgestattet hat. Friert ein Mensch aber sehr häufig, kann sich das braune Fettgewebe auch “vermehren” – die Bevölkerung der eisigen Gebiete kann sich somit besser warmhalten.


Wie unser Körper Vitamin D und Vitamin K2 selbst herstellt

Ein Vitamin ist nur dann ein echtes Vitamin, wenn wir es nicht selbst herstellen können und deshalb mit der Nahrung aufnehmen müssen. Vitamin D ist also streng genommen kein echtes Vitamin, da wir es selbst herstellen können. Aus einem Cholesterinvorläufer-Molekül wird es unter UV-Einstrahlung in unserer Haut synthetisiert.

Witzig: Es gibt noch ein weiteres Vitamin, dass in unserem Körper täglich hergestellt wird. Ein paar unserer Dickdarmbakterien produzieren das Vitamin K2, eine wichtige Verbindung, die zur Bildung eines bestimmten Gerinnungsfaktors (Prothrombin) gebraucht wird. Der einzige Haken an der Sache: Vitamin K braucht als fettlösliches Vitamin die Anwesenheit von Gallensäuren, um überhaupt resorbiert werden zu können. Der Hauptaufnahmeort ist im Dünndarm, also ein paar Meter weiter oben im Verdauungstrakt. Der allergrößte Teil des selbstproduzierten Vitamins landet also in der Toilette und bringt unserem Körper rein gar nichts. Schade!

Besser für den Vitamin K2-Status: Fermentierte Produkte essen. Die dort enthaltenden Bakterien machen nämlich genau das, was ihre Verwandten in unserem Darm auch machen: Sie stellen das Vitamin für uns her.


Warum müssen wir von Wassermelone so schnell auf die Toilette?

Mmmmh…Wassermelone. An heißen Tagen kann ich mit meinem Freund locker eine ganze Riesenbeere (ja, Beere, genauer gesagt: eine Panzerbeere!) verdrücken. Und dann … müssen wir beide mal dringend wo hin. Was ich solchen Momenten als notorische Klugscheißerin am liebsten sage? Ein typischer Gesprächsverlauf zwischen meinem Freund und mir:

„Weißt du, warum man von Wassermelone immer so doll auf’s Klo muss?“ – „Na weil da Wasser drin ist.“ – „Jaaa, auch. Aber nicht nur! Außerdem ist da ganz viel Kalium drin und Kalium hemmt diesen einen Transporter da unten in der Niere, den NKCC2. Und deeeer ist eigentlich dafür da, Natrium und Chlorid aus unserem Primärharn zurück in unser Blutsystem zu holen. Und weil Wasser immer osmotisch folgt, resorbiert der auch Wasser zurück und so pullern wir normalerweise statt der 180 Liter Primärharn nur 2 Liter Wasser aus. Aber wenn der Transporter gehemmt wird, durchs viele Melonen essen, geht mehr Wasser durch als normal. Und dann müssen wir mehr Pipi. Verstehste?!“ – „Mmmhm. Naja, so ungefähr. Is ja spannend…“ – „Total!!! “

 


Diese Yoga-Technik hilft uns, einen kühlen Kopf zu bewahren

Die Atemtechnik Sitali hilft uns auf ganz einfache Art und Weise, unseren Körper abzukühlen.

Dafür setzt ihr euch am besten aufrecht hin. Streckt die Zunge heraus und rollt sie, wenn das geht, ein. Falls ihr zu den Menschen gehört, die das “Zungen-Rollen”-Gen nicht in sich tragen und deshalb die Zunge nicht einrollen können, drückt ihr einfach die Zungenspitze an die Innenseite der oberen Schneidezähne.
Atmet nun tief, wenn ihr wollt mit einem Zischlaut, ein. Die Luft sollte seitlich an deiner Zunge vorbeifließen können. Atmet länger aus, als ihr eingeatmet habt. Wiederholt diese Atmung so oft, bis ihr euch angenehm gekühlt fühlt.

Unsere Zunge wird von Ästen von großen Arterien, zum Beispiel der Arteria carotis, versorg. So hilft schon die Kühlung eines kleinen Bereiches des Blutes in diesen Arterien, um die kältere Luft bis über den ganzen Kopf zu verteilen.

Ganz schön clever, diese Yogis! 🙂 Probiert es mal aus und genießt das Wetter. Namaste. ✌️


Heiße Getränke fördern Speiseröhrenkrebs

Na so was: Jetzt, wo es draußen kalt und ungemütlich ist, soll sogar heißes Wasser gesundheitsschädlich sein. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stufte im Mai 2016 heiß getrunkene Getränke für „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Dabei ist es egal, ob Kaffee, Tee oder heißes Wasser getrunken wird. Es wird also empfohlen: Auch, wenn die kalte Jahreszeit sehr zu Heißgetränken einlädt: Lasst eure Tasse doch ein wenig abkühlen, bevor ihr sie zum Mund führt. Temperaturen unter 65°C sind vollkommen okay.

Übrigens: In Ländern, in denen Heißgetränke zur Tradition dazu gehören, tritt Speiseröhrenkrebs sehr viel öfter auf als in unseren Breiten. Beispiele wären Regionen, in denen sehr heißer Matetee getrunken wird, wie Asien, Südamerika oder Ostafrika.

Trotzdem: Rauchen und Alkoholkonsum bleiben weiterhin die gefährlichsten Faktoren, wenn es um die Entwicklung von Speiseröhrenkrebs geht.