Gibts es das eigentlich – DIE „gesunde Ernährung“?

by Emilie
Gibts es das eigentlich – DIE „gesunde Ernährung“?

Als Redewendung sehr gebräuchlich, hat eigentlich jeder sofort ein Bild im Kopf, wenn er oder sie auf „gesunde Ernährung“ angesprochen wird. Wer sich gesund ernährt, bleibt fit und jung, sieht gut aus und isst wahrscheinlich viel Gemüse.

Doch wenn weiter gefragt wird, was denn GENAU eine gesunde Ernährung eigentlich bedeutet, kommen viele ins Straucheln.

Trend und ständig neue Erkenntnisse

In jeder Zeitschrift, in jedem Fernsehbeitrag und am allerschlimmsten im Internet werden wir von Ernährungstipps erschlagen. Einige sind gut gemeint, andere widersprechen sich gegenseitig, viele werden gern gelesen und die meistens tun doch nur eines: Sie verunsichern.

Dabei sollte man nicht vergessen: Ernährungstipps folgen auch nur dem Trend. Nicht nur unser Kleiderschrank ändert sich ständig, auch die Supermarktregale wandeln sich mit der Zeit.

Die Ernährungswissenschaft ist ein noch recht junges Forschungsgebiet. Viele Fakten, die früher einmal von anerkannten Ernährungswissenschaftlern dargestellt wurden, gelten heute schon gar nicht mehr, einfach, weil sich Menschen irren und sich Forschungstechnologien verbessern.
Bestes Beispiel hierfür sind die Low-Fat-Jahre der 90er. Vor etwa 20 Jahren waren sich alle einig:  Fett ist der Feind Nummer 1 für die schlanke Linie. In Folge dessen stellte die Industrie vermehrt auf  Produkte mit reduziertem Fettgehalt um, die Verpackungen bekamen einen babyblauen Anstrich und die Margarine wurde immer beliebter.
Um den guten Geschmack nicht zu verlieren (denn Fett ist ein natürlicher Geschmacksträger), setzen Hersteller vielen Produkten zusätzlichen Zucker oder sogar künstliche Geschmacksverstärker hinzu. Das wird heute kritisiert.
Die Theorie, dass Fett dick mache, wird wieder stark in Frage gestellt: Wissenschaftler (und somit auch die trendbewussten Medien) raten wieder zum Griff zur Butter und Vollfettprodukten anstatt zu zuckerüberladenen Diätjoghurts.
Deshalb gilt hier: Erst sobald Langzeitstudien zu einem Thema vorhanden sind, können ehrliche und begründete Ernährungsrichtlinien herausgegeben werden. Alle anderen Ratschläge können, aber müssen wir nicht ausprobieren. Wir sollten sie in jedem Fall erst einmal kritisch hinterfragen und genau beleuchten. Vielleicht kann man den einen oder anderen (ich bin mir sicher: die meisten) gut gemeinten Diättipps ignorieren.

Warum wir alle noch viel individueller sind, als wir denken

Ich persönlich finde es schwierig, von DER „guten“ oder DER „gesunden“ Ernährung zu sprechen. Denn den perfekten Speiseplan, der jeden Menschen gesund und fit hält, gibt es nicht.

Wir ticken alle anders. Nicht nur, dass jedem Menschen etwas anderes besonders gut schmeckt, jeder Körper geht mit den Dingen, die wir aufnehmen, auch ganz anders um. Euch ist bestimmt bewusst, dass keine Person auf der Welt genau den gleichen Gen-Satz besitzt – es sei denn, ihr seid eineiige Zwillinge. ;)
Doch viele weitere Faktoren spielen für unsere Individualität eine große Rolle! Ihr seid einzigartiger, als euch vielleicht bewusst ist!

Auch Gene, die jeder Mensch (gezwungenermaßen) in sich trägt, da sie lebenswichtig für allerhand Stoffwechselvorgänge in unserem Körper sind, unterscheiden sich untereinander. Winzig kleine Abschnitte zeigen eine minimal unterschiedliche Ausprägung und schon ist das eigentlich gleiche Gen mit der einen charakteristischen Funktion schon wieder ein wenig anders als das von deinem Nachbarn – und funktioniert deshalb auch anders. Das Ganze nennt man dann Polymorphismus.

Genpolymorphismen

Ein schönes Beispiel dazu ist das der Aldehyd-Dehydrogenase. Dieses Enzym benötigen wir, damit unser Körper Alkohol abbauen kann. Wie jedes andere Enzym wird es von unserer DNA codiert. Das heißt, es gibt einen Abschnitt auf unserer DNA, der den Bauplan für die Aldehyd-Dehydrogenase beinhaltet, damit wiederum andere Enzymkomplexe dieses Enzym herstellen können. Doch bei manchen Menschen gibt es auf diesem Genabschnitt eine winzig kleine Veränderung, einen Polymorphismus. Der ist dafür verantwortlich, dass das Enzym dieser Menschen nun ein wenig anders funktioniert.
Eigentlich wird in unserem Körper Ethanol (der eigentliche Alkohol in unseren Getränken) recht langsam in Acetaldehyd umgewandelt und diese Verbindung wiederum recht schnell in Säure. Das ist auch gut so, denn Aldehyd bekommt unserem Körper nicht gut. Zu viel Aldehyd verursacht Übelkeit, Kopfschmerzen, das typische puderrote Gesicht oder auch Herzrasen.
Bei einigen Menschen (das betrifft vor allem die Ostasiaten) funktioniert dieser Mechanismus aber nun in umgekehrter Schnelligkeit. Es entsteht besonders schnell das Aldehyd, doch dieser bleibt eine ganze Weile im Blut, bis er letztendlich zu der gutbekömmlichen Säure angebaut wird. Somit reicht schon ein Glas Bier, um bei Betroffenen die typischen Symptome hervorzurufen, die bei anderen vielleicht erst nach einigen Runden Alkohol auftreten.

Wir kennen noch viel zu wenige Beispiele für Polymorphismen. Wir wissen noch nicht, ob eine ähnliche Ausprägung möglicherweise unsere Verdauung oder die Verwertung der Nährstoffe beeinflusst. Ob es vielleicht Einigen am besten geht, wenn sie ihren Energiebedarf zu 80% mit Proteinen abdecken, für andere das aber der falsche Weg wäre. Die personalisierte Diät ist eines der spannesten aktuellen Forschungsgebiete im Bereich der Ernährung. Denn eines steht für die Wissenschaftler fest: Was für dem einen gut tut, kann dem anderen ordentliche Bauchschmerzen verursachen.

Mein Diättipp?

Mein Ratschlag ist: Probiert euch aus! Beobachtet euren Körper, achtet auf die kleinen Signale wie ein Bauchgrummeln und nehmt ungewöhnliche Stuhlgänge als ein Zeichen an. Wenn ihr den Verdacht habt, dass euch Milch nicht gut bekommt, dann lebt 2 Wochen ohne und schaut, ob ihr euch besser fühlt. Ob eine zuckerarme Diät für euch tatsächlich sinnvoll ist, findet ihr am besten heraus, wenn ihr eine Woche auf Süßigkeiten verzichtet. Wenn euch das gut tat, dann seid verrückt und streicht einmal jeglichen Zucker aus eurem Speiseplan – das heißt auch kein Obst! Und, wie fühlt ihr euch jetzt? Lust auf einen Obstsalat oder soll es doch noch ein Käsebrot sein? Traut euch ruhig, auch mal extreme Wege über einen kurzen Zeitraum zu gehen, um zu sehen, was euch euer Körper sagt. Seid dann aber nicht enttäuscht oder böse mit euch selbst, wenn ihr merkt, dass euch eine Smoothiekur Hungerattacken verursacht oder euch das Stück Kuchen mit Weizenmehl immer noch besser schmeckt als das glutenfreie mit Buchweizen… Nicht alles muss unbedingt so gut für euch sein, wie es die Healthgurus meinen.

Über das Prinzip des Ausprobierens habe ich persönlich meinen Körper um einiges besser kennengelernt. Nach meiner Woche komplett (!) zuckerfreien Ernährung (ich aß nur komplexe Kohlenhydrate) habe ich die Süße in Nahrungsmitteln ganz anders wahrgenommen. Eine Weintraube schmeckte so süß wie ein Bonbon und ein Glas Saft verpasst mir noch heute einen solchen Zuckerschock, dass ich für 2 Minuten aus dem Hampelmänner machen nicht mehr heraus komme. Dieses Experiment hat mir also sehr gut getan, ich kann Süßes nun viel stärker würdigen.

Um herauszufinden, ob ich möglicherweise mehr Protein in meine Diät integrieren sollte, habe ich zu meinem Frühstück immer noch ein weiches Ei gegessen und geschaut, ob ich dann länger satt bleibe. Außerdem habe ich meine Snacks auf Nüsse pur oder Käse umgestellt. Ich merkte schnell: Das wird nichts, eine Paprika hält mich länger satt als ein Stück Käse. Somit blieb ich bei meinen Kohlenhydraten. (Bei meinem Freund war das z.B. anders! Er braucht eher etwas proteinreiches, um seine kleinen Hunger zu stillen.)

Im Gegensatz dazu war meine Smoothiewoche ein ganz schöner Flopp. Schon nach den ersten Tagen wollte ich nur noch eines: Kauen! Bald darauf fing ich schon mit Schummeln an und aß meine Smoothies als Obstsalat. Doch ich merkte, dass ich immer mehr Lust auf Proteine bekam. Und auch meine Liebe zu Getreide wurde nicht erfüllt… Ende vom Lied: Ich brach frühzeitig ab und mein Körper jubelte, als ich endlich die ersehnte erste Schüssel Haferflocken mit Nüssen in mich hinein löffelte… Was ich dann wollte? Eine Schüssel Sonnenblumenkerne mit Olivenöl (schmeckt erstaunlich lecker!). Ich merkte sofort: Das hat mir einfach gefehlt.

 

Exkurs

Es könnte sogar sein, dass manche Übergewichtige mit dem Wunsch abzunehmen, nicht unbedingt auf bestimmte „ungesunde“ Dinge verzichten müssen, da ihr Körper mit diesen besser klarkommt als andere Menschen, die wiederum schnell einen Unterschied spüren, wenn sie beispielsweise auf Frittiertes verzichten. Somit können Ernährungsberater vielleicht bald noch individueller von Person zu Person Kompromisse eingehen. Das Gewohnheitstier Mensch muss dann nicht auf einmal seinen gesamten Ernährungsplan auf den Kopf stellen und kann vielleicht einige der „Lieblingssünden“ ohne viel Reue genießen.

 

 

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2 comments

Anne June 7, 2015 - 13:15

Hey, dein Blog gefällt mir sehr gut! Ich finde deine Herangehensweise an die Ernährung sehr spannend und interessant. Vor allem würde ich gern mehr über verschiedene Trends wie Low Carb, Paleo usw. lesen, da man leider viel zu viel von sogenannten Experten der Ernährungs- und Fitnessindustrie vollgespammt wird und gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht und was jetzt tatsächlich für den Körper (individuell) gut ist. Also weiter so!
LG Anne

Reply
emilie June 7, 2015 - 18:15

Hey, Danke für dein Feedback! Genau das ist mein Plan – ich bin gerade dabei, Informationen über Rohkost zu sammeln, doch weitere Trends folgen. In meinem Studium habe ich später sogar ein Modul zu verschiedenen Ernährungsweisen, wenn das so weit ist, erwarten euch dazu auch noch mehr wissenschaftliche Informationen. Ich werde deine Vorschläge auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.
Viele liebe Grüße,
Emilie

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