Warum sind Fruchtsäfte eigentlich so gefährlich?

by Emilie
Warum sind Fruchtsäfte eigentlich so gefährlich?

In Ernährungsempfehlungen fürs Kind, aber auch in den allgemeinen Regeln der DGE, werden Fruchtsäfte nur in Maßen empfohlen. Sie gelten nicht als Getränk (sondern als Lebensmittel) und dürfen deshalb auch keine klassischen Durstlöscher sein. Trotzdem sind Säfte bei Eltern, im Kindergarten und in Schulen sehr beliebt – sie stecken schließlich voller Vitamine. Liegt die Wahrheit also wiedermal in der Mitte?

Wie viele Orangen brauchst du für einen Orangensaft?

Stell dir vor, du hast Lust auf Orangen. Du kaufst dir also ein Netz voll Orangen und fängst an zu essen. Nach wie vielen Orangen hast du genug? Nach einer? Zwei?

Was wäre passiert, wenn du dir stattdessen eine Flasche Orangensaft gekauft hättest? Nach einem großen Glas hättest du dich vermutlich genüsslich zurückgelehnt. Wie viele Orangen hast du da eigentlich gerade getrunken?

Je nach Größe stecken ungefähr 3 bis 4 Orangen in einem Glas O-Saft. Das ist auf jeden Fall aber mehr Orange als du auf einmal essen würdest.

 Das eigentliche Problem: Die Interpretation von Fruchtsäften

Und das ist das eigentliche Hauptproblem von Fruchtsäften. Sie trinken sich leicht weg und werden in ihrem Gehalt an Kalorien und Zucker unterschätzt.

Mal ein Saft ist eine lecker und erfrischend und auch zu empfehlen: Schließlich liefert er nebenbei auch Vitamine. Doch als regelmäßiger Durstlöscher ist er nicht geeignet, ebenso wenig wie andere kalorienreiche Getränke.

 

 Fruchtzucker – in unserem Körper ein Problemfall?

Ein weiteres großes Problem ist der hohe Gehalt an Fruchtzucker in den Säften. Über Fruchtzucker, oder auch Fructose, habe ich mich hier schon einmal ausführlich auseinandergesetzt und einige Fakten zusammengefasst. An einen Aspekt möchte ich euch jedoch noch einmal erinnern: Das Thema der nicht-alkoholischen Leberverfettung, vor allem schon bei Kindern. Sie tritt immer häufiger schon in jungen Jahren auf. Kann der Fruchtzucker daran schuld sein?

Die alleinige Schuld haben Fruchtsäfte sicherlich nicht.
Doch aus zwei Gründen tragen Säfte dazu bei, eine Leberverfettung zu beschleunigen:

  • Übergewicht bei Kindern:

Ein Glas Orangensaft hat etwa 100 kcal. Bei drei Gläsern Saft am Tag hat das Kind eine kleine Zwischenmahlzeit zusätzlich aufgenommen, ohne es zu merken und ohne satt zu werden. Säfte tragen damit zu steigender Verfettung von Kindern bei und Übergewicht ist definitiv stark mit einer Fettleber assoziiert.

  • Fructose als Trigger für Leberverfettung

Fruchtzucker wird, im Gegensatz zu Glucose,  in nur genau einem Organ unseres Körpers verdaut: In der Leber. Jedes Molekül Fructose muss also erst einmal in den menschlichen Staubsauger, unserem größten Stoffwechselorgan. Normalerweise wird Fructose, wie auch jeder andere Zucker, in verwertbare Energie umgewandelt. Doch ist zu viel Energie da, ist Fructose eines der ersten Substrate, das in eine Speicherform umgewandelt wird: In Fett. Und das wird praktischerweise gleich vor der Haustür gelagert, im Lebergewebe. Warum passiert das nicht auch mit dem anderen Zuckermolekül, Glucose? Weil Glucose in jeder anderen Zelle unseres Körpers verwertet werden kann und unsere Leber einen solchen Zuckertsunami wie mit Fructose nicht abbekommt.

 

Die Menge macht’s – und die ist bei Fruchtsäften nicht gut einzuschätzen!

Und genau darum sind Fruchtsäfte, vor allem für Kinder, so gefährlich. Zwei Gläser Orangensaft zum Frühstück trinken sich leicht weg. Ein Liter Apfelsaft auf dem Spielplatz verdampft förmlich, wenn der Durst groß genug ist. Dass damit aber gleich ein ganzer Obstkorb in der Leber der Kinder landet, vergessen wir schnell. Besser: Fruchtsäfte wie eine Zwischenmahlzeit behandeln oder am besten nur verdünnt trinken.

 

Übrigens: Saft ist nicht gleich Saft. Über die Unterschiede klärt das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hier auf.

 

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1 comment

Jenni July 19, 2017 - 20:28

Liebe Emilie,

ein super spannender Artikel, der altes und zusammengesammeltes Wissen wieder auffrischt – danke dir!
Gerade im Zusammenhang mit der Ernährung von Kindern finde ich es total wichtig, dass da Aufklärungsarbeit betrieben wird – denn viele assoziieren in der Tat die schönen, bunten Säfte mit Natürlichkeit – und Obst ist doch schließlich immer gesund! Dass die Wahrheit ein bisschen komplexer ist, wird dabei meist übersehen…

Danke dir für den Artikel!

Liebe Grüße
Jenni

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