Warum euch eure glutenfreie Ernährung nicht gesünder macht

by Emilie

Wie entstand eigentlich die Idee des schrecklich bösen Glutens? Wer hat mit diesem Mythos überhaupt als erstes angefangen?

 

Aus einem kleinen Trend aus den USA entwickelte sich schnell ein großer Hype. Glutenfreie Optionen gibt es bei uns nun fast überall zu kaufen. Ob im Supermarkt, im Restaurant oder in der Bäckerei nebenan – auf Gluten zu verzichten ist heutzutage so leicht wie nie.
Fest steht jedoch, dass es keine evidenzbasierte wissenschaftliche Arbeit gibt, die zeigt, dass eine glutenfreie Ernährung für die Allgemeinheit in irgendeiner Hinsicht besser wäre. Trotzdem wird das überall erzählt.

 

Warum glutenfreie Produkte nicht die gesündere Alternative sind

 

Clevere Marketing-Tricks

Ein Verpackungsdesign in natürlichen Brauntönen, Gemüse angedeutet im Hintergrund, drei verschiedene Schriftarten. Dazu ein großes Siegel mit dem Schriftzug „glutenfrei“, in der Beschreibung lässt sich irgendwas von „natürlich“ und „mit Liebe“ finden. Vielleicht noch ein freundlich lächelndes Gesicht mit einem Zitat dazu oder eine nette Infographik. Unverzichtbar: Ein Preis über dem Durchschnitt.

Da haben wir’s: Das Traumprodukt schlechthin. Gesund, innovativ, nachhaltig und von Hipstern empfohlen.

 

Und ich gebe es ja zu: Auch ich muss bei neuen, trendigen Produkten mehrmals hinschauen, um nicht auf clevere Marketing-Tricks hereinzufallen. Zu leicht ist es, mit gutem Gewissen drei Euro für „gesunde“ Kekse oder andere „vollwertige“ Snacks auszugeben. Ich meine: Leckerer Knabberspaß, der auch noch gut für uns ist – wie könnte ich da Nein sagen?!

 

Studie beweist: Glutenfrei ist nicht gesünder

In einer aktuellen Studie (den Link findet ihr unter dem Beitrag) wurden glutenhaltige Produkte mit als glutenfrei und gesund beworbenen Alternativen verglichen. Heraus kam, was viele von uns schon immer ahnten: Alle Produkte waren ähnlich gesund bzw. ungesund, der glutenfreien Kuchen enthielt im Durchschnitt sogar mehr Zucker. Nennenswerte unterschiede im Fett-oder Energiegehalt wurden nicht festgestellt. Alles reines Marketing also.

 

Witzig: In vielen der als glutenfrei beworbenen Produkte kommt von Natur aus sowieso kein Gluten vor. Doch Leute kaufen trotzdem – ohne groß Nachzudenken und zum teureren Preis. Und wenn die Nachfrage da ist, steigt nun mal das Angebot…

 

Bitte: Vergesst den Ernst der Sache nicht! – Für wen der Hype gefährlich werden könnte

 

Aber für die Menschen mit Glutenunverträglichkeit ist der Trend doch nichtsdestotrotz zu begrüßen, oder etwa nicht? Schwierig.

Natürlich ist es toll, dass Menschen mit Zölliakie bzw. einheimischer Sprue nun an jeder Ecke glutenfreie Optionen finden können und nicht mehr in Spezialläden einkaufen müssen bzw. alles selbst backen müssen. Andererseits steigt mit dem Trend auch das Risiko, dass Menschen mit einer glutenfreien Ernährung nicht mehr Ernst genommen werden.
Antibewegungen gibt es immer und so werden die „Trendfolger“ auch gern mal belächelt und als Spinner abgetan. Wenn sich diese Attitüde weiter durchsetzt, kann es passieren, dass die Problematik einer echten Zölliakie in den Hintergrund gerät. Sobald glutenfreie Gerichte mit weniger Ernst zubereitet werden, bekommen spätestens dann diejenigen, die schon von einem kleinen Weizencrouton Bauchschmerzen und Durchfall bekommen, wirkliche Probleme.

 

Außerdem: Sich glutenfrei zu ernähren ist für viele Menschen eine echte Belastung und fühlt sich absolut nicht so „natürlich“ an wie gern von Anhängern des Glutenfrei-Trends behauptet. Wenn ihr euch also beschließt, auf Gluten zu verzichten, prahlt damit nicht unbedingt an jeder Stelle. Diejenigen, die wirklich auf Gluten verzichten müssen, reagieren oft frustriert, wenn man ihnen erzählt, wie wunderbar diese Ernährung doch sei und wie toll man sich damit fühle.

 

Im zweiten Teil meiner Serie: Eine Hommage an das Vollkornbrot

 Im nächsten Beitrag dieser Reihe erzähle ich euch, warum ich Vollkornbrot der glutenfreien Alternative jederzeit vorziehe. Lasst euch soviel schon mal gesagt sein: Vollkorn kann sooo viel und schmeckt sooo lecker. ;) Die meisten der glutenfreien Mehlsorten könne da einfach nicht mithalten …

 

 Warum euch eure glutenfreie Ernährung nicht gesünder macht

 

Anmerkung zum Schluss: Natürlich kann ich hier nicht für jeden einzelnen von euch sprechen. Es gibt bestimmt viele Menschen, die auch ohne glutenfrei gelabelte Produkte und dafür ganz vielen Hülsenfrüchten, Pseudogetreiden und Co. glutenfrei und dabei gesund leben. Ich spreche mich hier für die Allgemeinheit aus, die dazu neigt, als „ungesund“ verbreitete Lebensmittel einfach wegzulassen, ohne sie durch andere gesunde Alternativen zu ersetzen.

 

 

 

Zum Informieren und Nachlesen:

Glutenfreie Produkte im Vergleich: https://www.researchgate.net/publication/277607202_Are_gluten_free_foods_healthier_than_non-gluten_free_foods_An_evaluation_of_supermarket_products_in_Australia

 

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3 comments

Miriam September 12, 2016 - 13:29

DANKE! Ich sehe die glutenfreie Ernährung genau so wie du! Ein guter Freund von mir hat Zölliakie und leidet echt furchtbar, wenn er versehentlich Gluten abkriegt. Es stimmt wirklich, dass “glutenfrei” oft als Marketing verwendet wird. Andererseits hab ich festgestellt, welche Gerichte von Natur aus glutenfrei sind und ich somit auch den Freund problemlos bekochen kann ohne dass er sich ausgeschlossen fühlen muss oder ich einen sonderlichen Aufwand hab.
lg, Miriam

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Emilie September 12, 2016 - 14:25

Ach, wie schön, dass du meine Meinung teilst! :) Ich esse auch oft glutenfrei, einfach weil die Natur so eine große Vielfalt an verschiedensten Alternativen bietet. Ich hoffe für deinen Freund, dass er nicht so oft in eine glutenfrei-Falle tappen muss!
Viele Grüße,
Emilie

Reply
Kati September 16, 2016 - 15:04

Bei uns heißt es auch meist glutenfrei, allerdings meist eher aus Versehen! ;) Es gibt einfach so eine riesige Vielfalt in Getreidesorten und Gerichten! Schon interessant, wie schnell so Trends zu einer ganz großen Sache werden und nach ein paar Monaten schon wieder vergessen sind! Meiner Meinung nach ist es immer am Besten genau zu wissen, womit man seinen Körper füllt und dann sind Gluten sowieso längst nicht mehr so wichtig wie vorher.
Danke für den Artikel!
xx Kati

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