Über Salz – Unterschiede, Kleinigkeiten und welches denn nun das richtige ist

by Emilie

Himalayasalz, Fleur de Sel, Kristallsalz, Meersalz, jodiertes Salz, Kochsalz … Ja welches Salz nehme ich denn nun?!

Wenn ihr auch alle paar Monate fragend vor dem Supermarktregel steht und eure Hand von einer blau-weißen zur nächsten gelb-grünen Salzbox wandert, hier kommt eure Rettung.

Salz ist nicht gleich Salz – doch wie entscheidend sind die Unterschiede?

In herkömmlichen Geschäften können wir uns meist zwischen etwa drei Salzsorten entscheiden. In Reformhäusern wird seit einiger Zeit das sogenannte Kristall- oder Himalayasalz groß angepriesen. Wo genau die Unterschiede liegen und ob es bei dem ein oder anderen gesundheitliche Vorteile gibt, erfahrt ihr jetzt.

Koch-, Speise- oder Tafelsalz

Kennen wir alle, haben wir alle schon gegessen. Wer umgangssprachlich von „Salz“ spricht, meint meist das herkömmliche, fein gemahlene, raffinierte Salz aus der Packung. Hier weiß der Verbraucher meist nicht genau, wo es herkommt (aus dem Meer oder aus dem Stein). Das Vorprodukt wird gereinigt, gebleicht und bekommt geringe Mengen von verschiedenen anderen Stoffen hinzugefügt. Das kann zum Beispiel Calciumcarbonat (Kalk), Aluminiumoxid, Magnesiumcarbonat oder ähnliche Verbindungen sein, die dem Salz diverse Qualitätseigenschaften geben. Das Salz bindet so weniger das Wasser in der Luft und verklebt nicht so schnell und rieselt besser durch den Salzstreuer.

Ist chemisch bearbeitetes Salz = schlechtes Salz? – Nein, so kann man das nicht sagen.

  • enthält, wie jedes andere Salz auch, das lebenswichtige Natriumchlorid
  • hat praktische, verbraucher- und marktfreundliche Eigenschaften
  • keiner der zusätzlichen Stoffe ist bedenklich
  • das Salz ist nichts „Besonderes“
  • gibt es häufig in jodierten Varianten* (mehr dazu, siehe unten)

Meersalz

Meersalz wird in sogenannten Salzgärten gewonnen. Das klingt nicht nur wunderschön, sondern sieht auch toll aus. Das Meerwasser wird durch eine Reihe von Becken geschleust und verdunstet dabei durch die starke Sonneneinstrahlung. Bei einem Salzgehalt von etwa 3,5% dauert es eine Weile, bis das Salz komplett auskristallisiert und sich auf dem Boden absetzt. Zurück bleibt eine weiße, kristalline Landschaft.

Traditionelles Meersalz wird nun in Handarbeit „geerntet“ und kommt so, wie es dir Sonne hinterlassen hat, in die Packung. Wird es noch weiter verarbeitet, landen wir wieder beim raffiniertem Kochsalz.

  • enthält weitere Mineralstoffe (Magnesium, Kalzium, Jod) in kleinen Mengen
  • weist meist eine gewisse Restfeuchte auf
  • traditionelles Gewinnungsverfahren

Steinsalz

Wenn Meersalz aus dem Meer kommt, kommt Steinsalz aus dem…? Richtig. Aus dem Meer. Uraltes Meerwasser sickert in untere Gesteinsschichten, verdunstet dort, vielleicht mit etwas Grundwasser zusammen und hinterlässt Salz. Dieses wird dann entweder trocken mit Bohr- und Sprengverfahren abgebaut oder mit Süßwasser als Sole gewonnen.

Auch ein Steinsalz kann getrocknet, gebleicht und verschönert werden. Etwa 70% unseres weltweit produzierten Kochsalzes kommt aus dem Boden.

Nicht weiterverarbeitetes Steinsalz…

  • enthält viele verschiedene weitere Mineralstoffe (Phosphor, Magnesium, Schwefel, Kalium) in kleinen Mengen
  • ist sehr sehr dicht. Steinsalzvorkommen eigenen sich auch gut als Untergrundspeicher
  • kann recht günstig gewonnen werden

Kristall- oder Himalayasalz

Das Salz, mit dem in Healthstores, veganen Trend-Cafés und im Haushalt von Barbara Hendel und Peter Ferreira** gekocht wird, heißt Himalayasalz und ist vollkommen unraffiniert. Es entstand über Jahrtausende hinweg auf natürlichstem Wege durch die Verdunstung früherer Meere (also wie das Steinsalz), kommt aber nur aus dem Himalaya. Der Prozess und die Herkunftsregion sollen dem Salz „entschlackende“ Wirkungen verliehen haben.

Nun wird es mit viel Tamtam als DAS Gesundheitssalz für viel Geld, meist im Internet, verkauft.

Was ist dran? Eigentlich kennen wir die Punkte schon alle…

  • enthält verschiedene weitere Mineralstoffe (Kalium, Sulfate, Eisen, Magnesium)
  • Eisenionen färben es rötlich und das sieht schön aus
  • nachhaltiger Entstehungsprozess, meist schonende Gewinnung

**Autoren des Buches “Wasser und Salz – Urquell des Lebens” , welches Himalayasalz in den Himmel hebt und viel unhaltbare, hanebüchene Kritik an allen anderen Salzsorten ausübt

Fleur de Sel, Flor de Sal oder Salzblume

 Zu guter Letzt: Das wohl teuerste und am schwierigsten zu gewinnende Salz der Welt ist die Salzblume. Das besondere Meersalz bildet sich nur an heißen Tagen ohne Wind. Als sehr dünne Schicht an der Wasseroberfläche bilden sich blumenartige, schneeflockenähnliche Strukturen, die mit der Hand vorsichtig abgeschöpft werden müssen.

  • kommt IMMER ungewaschen auf den Markt
  • enthält, je nach Herkunftsregion, etwas höhere Mengen an Magnesium und ebenfalls, Kalium…

 

*Ein paar Worte zum Jodsalz

Ob ihr ein jodiertes Salz benötigt oder nicht, hängt vor allem von eurem Lebensstil ab. Da mittlerweile in fast allen verarbeiteten Produkten wie Brot, Wurst, Käse, Dosengemüse und auch in Restaurants und Cafés mit Jodsalz gearbeitet wird, sind die allermeisten Menschen von uns gut mit dem essenziellen Nährstoff versorgt. Sogar in Milch und Eiern ist der Jodgehalt stark gestiegen! Durch die Anreicherung des Futters der Tiere haben wir mittlerweile einen viermal so hohen Jodgehalt in Milch und einen 14 mal höheren in Eiern – davon hätten unsere kropfbehafteten, schilddrüsenkranken Vorfahren nur träumen können.

Nun kommt es also drauf an. Kauft ihr vermehrt konventionelle Produkte im Supermarkt, in denen Salz und somit sehr wahrscheinlich auch Jod zugesetzt wurde oder lehnt ihr verarbeitete Lebensmittel konsequent ab? Wenn das zweite der Fall ist, empfehle ich unbedingt jodiertes Salz. Denn der unheimlich wichtige Nährstoff ist sonst nur schwer zu bekommen. Auch sonst ist Jodsalz eine sinnvolle Sache, eine Überversorgung ist bei einem normales Essverhalten sehr selten.

Warum es vollkommen OKAY ist, verarbeitete Lebensmittel zu essen, lest ihr HIER.

 

Über Salz - Unterschiede, Kleinigkeiten und welches denn nun das richtige ist

Ja und was nehme ich jetzt?

Es ist ganz klar: Keines der aufgeführten Salze hat irgendeinen bedeutenden gesundheitlichen Vorteil gegenüber den anderen. Wenn von weiteren Mineralstoffe die Rede ist, dann handelt es sich vielleicht um 2 bis 4% des Salzes, der Rest ist immer Natriumchlorid. Unseren täglichen Bedarf an Magnesium können wir also auf keinen Fall mit Salz decken.

Unterschiede gibt es vor allem in den Texturen, dem Aussehen, der Qualität und in den sozial-ethischen Punkten. Wer ein edles, von Hand geschöpftes Salz kauft, der zahlt für eine feine, besondere Textur. Solch ein Salz wird nicht ins Nudelwasser geschmissen sondern mit einer Hingabe und einer gewissen Bewusstheit über das Gericht gestreuselt. Gutes Salz ist wie guter Kaffee oder guter Wein: Ein Produkt für Genießer und Kenner.

Mein Salztipp

Wer auf der Suche nach einem wirklich guten Salz ist, für den habe ich jetzt einen Tipp. Vor einigen Wochen bekam ich eine Mail von Julius. Julius ist ein junger, deutscher Mann, der sich eines Tages in Portugal, genauer gesagt in Castro Marim, mit einem Arbeiter aus der Meersalzgewinnung unterhielt. Sie kamen darauf zu sprechen, dass naturbelassenes Meersalz und gerade Flor de Sal verdammt teuer in Deutschland verkauft wird. Julius wollte wissen, was denn das Geheimnis hinter diesem Preis ist.

Heraus kam: Es gibt kein Geheimnis. Der Handel hatte einfach erkannt, dass sich mit dem Salz viel Geld machen lässt und deshalb systematisch die Preise hochgetrieben.

Julius konnte das nicht fassen. Er lies sich die Arbeit der Salzgewinnung zeigen und verlor sein Herz in der Region des weißen Goldes. Und dann wurde er aktiv. Er startete eine großartige Kampagne, in der er das hochwertige Salz direkt vom Strand zu uns auf den Tisch liefern lässt. Wesentlich preiswerter und mit wesentlich mehr Gewinnmöglichkeiten für die Salzarbeiter in Portugal.

Als ich von der Geschichte gehört habe, war ich hin und weg. Genau das ist es, was für mich ein gutes Salz ausmacht. Fair, transparent, nachhaltig und vor allem: so lecker!!

Wer sich mehr für die Kampagne interessiert und sie unterstützen möchte, der klickt hier: https://meersalzkampagne.de Das Salz kann ich nur empfehlen. Mit einem Sack habt ihr auf jeden Fall für ein Jahr ausgesorgt. ;)

Über Salz - Unterschiede, Kleinigkeiten und welches denn nun das richtige ist

 

Zum Informieren und Nachlesen:

Jod und Salz  https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/jodprophylaxe-ueberholt-neue-zahlen-alte-empfehlungen/
Himalayasalz https://www.ugb.de/forschung-studien/das-geschaeft-mit-dem-himalayasalz/

 

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6 comments

Johanna September 24, 2015 - 14:36

Hallo Emilie,
über deinen Kommentar auf meinem Blog joynatural.de bin ich auf deine Seite gestoßen. Gefällt mir sehr gut, Kompliment für dein Konzept!
Die Rezepte klingen gut und ich finde es schön, dass du auch andere Themen aufgreifst, die nicht auf jedem Food-Blog zu finden sind wie zum Beispiel dieses zum Salz.
LG, Johanna

Reply
Emilie September 24, 2015 - 14:44

Hey Johanna,
Danke für die Blumen, freut mich sehr, dass dir auch der Wissensteil zusagt. :)
Lieben Gruß zurück, wir hören bestimmt nochmal voneinander, wenn ich eines deiner tollen Rezepte nachkoche!

Reply
Meersalzkampagne October 1, 2015 - 13:13

Hallo Emilie,

das ist sehr umfangreicher und toll recherchierter Artikel geworden. Auch die Fotos sind ganz Klasse! Hat Spaß gemacht mit dir, wünsche dir noch frohes salzen :)

LG

Julius

Reply
Emilie October 1, 2015 - 21:06

Danke dir! Für die Inspiration und das Salz! :)

Reply
Meersalzkampagne October 11, 2015 - 19:01

wir danken!

Reply
Jennifer August 15, 2017 - 13:54

Hallo Emilie!
So hab ich mir das auch immer gedacht und das TamTam auf zahlreichen Blogs – bloß kein schnödes Jodsalz zu verwenden überhaupt nicht verstanden.
Vielen Dank für die Infos!
Jennifer

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