Routine, Geschmacksprägung und Emotionales Essen

by Emilie

Unser Essverhalten wird durch Gewohnheiten, Emotionen und Prägungen aus unserer Kindheit bestimmt. Wie können wir aus dem Trott ausbrechen?

Routine, Geschmacksprägung und Emotionales Essen

Routine – ein wichtiger Ernährungsfaktor

Jeder kennt ihn – den Trott des Alltags. Wir nehmen häufig den selben Weg zur Arbeit oder Uni, wechseln die Straßenseite an immer der gleichen Stelle, füllen unsere Sätze mit den gleichen kleinen Worten und schauen automatisch beim Vorbeikommen am Briefkasten nach Post, auch, wenn gerade Sonntag ist.

Wir sind uns vieler Dinge häufig gar nicht mehr bewusst und kleine Macken verfestigen sich schnell. Routine an sich ist für uns notwendig und wichtig, denn sie hilft uns, mehr Aufmerksamkeit für andere, wichtigere Dinge übrig zu haben. Wenn wir auf jede kleine Tätigkeit großen Wert legen würden und in jeder Sekunde darauf achten müssten, was wir tun, wäre unser Kopf ganz schnell zu voll und es würde uns schwer fallen, zwischen wichtigem und weniger wichtigem zu unterscheiden.

Wir können den Mechanismus der Routine für uns nutzen, indem wir sinnvolle Aufgaben wie morgens Zähne zu putzen, sonntags Sport machen und morgens ein Glas Wasser trinken zur Gewohnheit werden lassen.

Wir können uns aber auch gegen schlechte Gewohnheiten wehren, indem wir durch andere Menschen auf sie aufmerksam gemacht werden und ihnen dann bewusst viel unserer Aufmerksamkeit schenken, um sie zu vermeiden. Das ist nicht einfach, kann aber leichter fallen, wenn man sich z.B. einer anderen Umgebung aussetzt.

Routine, Geschmacksprägung und Emotionales Essen

Frühkindliche Geschmackprägung

Unsere körperlichen Bedürfnisse sind eng mit unseren Gewohnheiten, Erfahrungen und Emotionen verwoben uns all das bestimmt dann, für welche Lebensmittel wir uns entscheiden.

Ob uns etwas schmeckt oder nicht wird schon im Kindesalter festgelegt.

Die Lebensmittel, die unsere Mutter tagtäglich ist, prägen den Geschmack der Muttermilch und somit auch unsere Geschmacksknospen Das liegt daran, dass die Aromen der Nahrung in die Milch übergehen. Bei dem Umstieg auf feste Kost akzeptiert das Kind dann ohne größeres Gemecker die schon bekannten Aromen. Es kennt die Aromen von, z.B. Möhre schon und assoziiert sie positiv mit Nährreichem und Sättigendem.

Eine Studie fand heraus, dass Menschen, die als Babys vor allem künstliche Säuglingsmilch getrunken haben, später auch eher Fertigprodukte und Geschmacksverstärker bevorzugten. Das liegt vor allem daran, dass die immer gleich schmeckende Fertigmilch die gleichen Inhaltsstoffe wie die im Erwachsenenalter verzehrten Produkte enthielten.

Natürlich sind unsere Geschmackspräferenzen dann nicht für immer uns ewig festgelegt, auch in späteren Jahren kann sich unser Geschmack nochmal ändern. Doch der Grundstein ist erst einmal gelegt.

Was sich vor allem verändert, ist die Beurteilung von bitteren Nahrungsmitteln. Bitteres lehnen wir als Kinder kategorisch ab. Das ist uns angeboren um uns davor zu schützen, dass wir ausversehen eine giftige, bittere Pflanze zu uns nehmen. (Mehr dazu hier) Später lernen wir, dass nicht alles, was bitter schmeckt, auch giftig oder anderweitig schädlich sein muss.

Routine, Geschmacksprägung und emotionales Essen

Essen und Emotionen

Wir verbinden bestimmte Lebensmittel stark mit unseren Emotionen. Wenn ich einen Stück Quark-Mandarinen-Kuchen mit Schokostreuseln vor mir zu stehen habe, assoziiere ich diesen sofort mit meiner Oma und die schönen Momente mit ihr. Wann immer ich diesen Kuchen aß, fühlte ich mich glücklich und geborgen und genau dieses positive Gefühl möchte mein Körper gerne noch einmal verspüren. Kein Wunder also, dass ich Lust habe, das Stück zu essen!

Auch bei Frust und Ärger greifen viele Menschen zu süßem, fettigem, Hauptsache kalorienreichem Essen. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Mehrere Studien belegen, dass unser Körper bei kalorienreichem Essen Opioide ausschüttet. Opioide sind chemische Strukturen, die morphinartige Eigenschaften aufweisen. Sie können ganz verschiedene Auswirkungen haben, doch Schmerzlinderung und Euphorie sind zwei, die uns gerade bei Frust vermeintliche Linderung verschaffen.
Unsere Hormone spielen eine wichtige Rolle und entscheiden maßgeblich, wann wir was essen. Die Sättigung ist ein komplexer, noch nicht vollständig erforschter Vorgang und wird durch Emotionen und den damit verbunden Hormonen beeinflusst.
Es gibt natürlich auch viele psychologische Gründe für emotionales Essen. Für manch einen ersetzt die Tüte Chips die fehlende Zuneigung eines anderen Menschen, ein anderer isst automatisch, ohne es zu merken, sobald Snacks vor ihm stehen oder es stecken schlechte Gewohnheiten dahinter.
Egal, was der Auslöser für emotionales Essen sein mag, es hilft, sich bewusst zu machen, wann man was oder besonders viel isst. Doch seid nicht zu streng mit euch selbst, wer ab und an ein Stück (möglichst dunkle) Schokolade bei Ärger und Stress isst, kann das Tryptophan des Kakaos auch ganz gut vertragen. Das wird nämlich zu Serotonin und gibt uns ein wenig bessere Laune….Gefährlich wird es nur, wenn Stressessen zur Gewohnheit wird und starke Gewichtszunahme mit sich bringt.

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Überlebensmechanismen in der Überflussgesellschaft

Doch nicht nur unsere Psyche spielt bei der Entscheidung, was wir essen und was nicht, eine große Rolle Wir haben tief in uns Mechanismen, die unser Überleben sichern. Vor allem Hormone bestimmen unser Sättigungsgefühl, regen Appetit an oder signalisieren dem Körper, dass er Hunger hat.

Denn unser Körper möchte vor allem eines: Dass ihm immer genügend Energie zur Verfügung steht. Energie bekommt er vor allem aus fettigen und süßen Nahrungsmitteln – es ist also kein Wunder, dass er sich spontan im Supermarkt für genau diese Produkte entscheidet.

Da wir allerdings in einer Überflussgesellschaft leben, müssen wir unserem Körper klar machen, dass wir jederzeit und überall satt werden können und dass wir dafür nicht unbedingt sehr energiereiche Lebensmittel benötigen. Sonst werden die Überlebensmechanismen ganz schnell zum Gegenteil – wir werden adipös und können an den Folgekrankheiten sterben. Wir müssen uns also bewusst machen, dass wir Energie nicht speichern müssen, sodass unser Unterbewusstsein nicht bei jedem Schokoriegel in dem Hamstermodus verfällt.

Meistens passiert das automatisch. Doch wer sich dauerhaft übermäßig ernährt, wird schnell dick. Dann ist es schwierig, wieder abzunehmen.

Routine, Geschmacksprägung und Emotionales Essen

Selbstwirksamheit

Häufig helfen erst einschlagende Ereignisse wie eine Krankheitsdiagnose oder ein Todesfall im engeren Familien- oder Freundeskreis, das Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass sich etwas ändern muss. Der Mensch kann es aber schaffen, sich in eine andere Richtung zu entwickeln.

In der Psychologie nennt man dieses Phänomen „Selbstwirksamkeit“. Der Mensch vertraut in sich und seine Fähigkeiten, das eigene Verhalten zu ändern.

Dieses Vertrauen wird gestärkt, wenn man positive Erfahrungen macht oder persönliche Erfolge verbuchen kann, und man sieht, dass man es schafft, sich selbst zu verändern.

Solche Erfahrungen müssen noch nicht mal den Verlust von Kilos bedeuten, es reichen auch ganz kleine Anfänge, wie das Austauschen einer Zutat gegen eine andere. Schon eine kleiner Schritt stützt unser Gefühl, dass wir etwas verändern können und ist sehr viel wert.

 

Zum Informieren und Nachlesen:

Opioide und emotionales Essen http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0031938407001278
  Stress und Essen http://journals.lww.com/psychosomaticmedicine/Abstract/2000/11000/Stress_and_Food_Choice__A_Laboratory_Study.16.aspx
  Zeit Wissen Artikel zum Thema http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/06/ernaehrung-psyche
  Sättigung http://de.wikipedia.org/wiki/Sättigung_(Physiologie)

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