Trendprodukt Reissirup – warum sich das Draufzahlen für Normalverbraucher nicht lohnt

by Emilie

Die Reise begann mit Honig und Ahornsirup, legte einen kurzen Stopp beim Agavendicksaft ein und ging bald weiter zum Kokoszucker. Wer jedoch heute etwas auf sich hält, süßt mit Reissirup. Stevia ist und bleibt umstritten.

Die Trendentwicklung der gesünderen Zuckeralternativen ist stetig und wird sich wohl auch in den nächsten Jahren noch ein paar Mal ändern. Zu schön ist der Gedanke an Süßigkeiten ohne Reue, zu einfach, sein Gewissen mit einer 8 Euro teuren Flasche Alternativsüße zu beruhigen.

Aufkommende Ernährungsweisen, wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Produktentwicklung schieben immer wieder neuere und angeblich noch bessere Süßungsmittel in unser Blickfeld. Was all diese Produkte gemeinsam haben: Sie werden clever vermarktet und teuer verkauft.

Der aktuellste Trend ist nun also der Reissirup. Ist er sein Geld wert? Ist er tatsächlich gesünder? Gibt es nicht vielleicht viel billigere Produkte, die eigentlich genau das gleiche können? Spoiler: Gibt es – wir werden wir da ungeahnt eigentlich ganz schön an der Nase herumgeführt.

Trendprodukt Reissirup – warum sich das Draufzahlen nicht lohnt

Fructose als neuer Bad Guy

Immer mehr Studien zeigen, dass Fructose, der vor ein paar Jahren noch als der gesündere Zucker vermarktet wurde, eher für Gesellschaftskrankheiten wie Diabetes, und Leberverfettung verantwortlich ist. Fructose kann nur in der Leber verstoffwechselt werden und fördert das gefährliche Organfett im Bauchbereich. Außerdem hat Fructose ein höheres Suchtpotential als Glucose. (Studien siehe unten)

Lies dazu: Bad Guy Fructose – Warum Fruchtzucker der neue Feind Nr. 1 ist

Seit diese Fakten die Runde machen, rudern Ernährungsberater, Journalisten und Blogger zurück und klären auf. Fructose ist der neue bad guy, schnell reagierten auch Marketingkampagnen auf die neuen Erkenntnisse. Und so kam es, dass die gesundheitsbewusste Hand der Foodies weg von Agavendicksaft (100% Fructose) und Ahornsirup (40% Fructose) hin zum neusten Produkt in den Bioregalen wanderte: Reissirup.

Herstellung Reissirup

Reissirup wird aus braunem Reis gewonnen, einem an sich sehr nährstoffreichen Lebensmittel. Der Reis wird zermahlen und mit Enzymen versetzt, die die Stärke zerschneiden und in kurze Zuckermolekülketten umwandeln. Überflüssige Trübstoffe werden herausgefiltert und zurück bleibt ein klebriger Saft.

Da Stärke grundsätzlich ein aus Glucose aufgebautes Molekül ist, besteht der entstandene Sirup nur aus Glucosemolekülen, die meistens allein, teilweise zu zweit (=Maltose) oder zu dritt (=Maltotriose) vorliegen.

Trendprodukt Reissirup – warum sich das Draufzahlen nicht lohnt

Schauen wir uns nun mal die drei Hauptargumente an, die im Zusammenhang mit Reissirup immer wieder genannt werden:

 

Wird Reissirup langsam aufgenommen und reguliert so den Blutzuckerspiegel?

Auch wenn Reissirup zum größten Teil aus zwei- und dreikettigen Glucoseketten besteht, heißt das nicht, dass diese wesentlich langsamer resorbiert werden als andere Zucker. Schon unser Speichel enthält eine Menge spaltender Enzyme (alpha-Amylasen), die schon im Mund anfangen, drei- oder mehrkettige Zuckermoleküle voneinander zu trennen. Bis es der Reissirup in das Duodenum, den Hauptresorbtionsort unseres Körpers, geschafft hat, liegt der Großteil der Glucosemoleküle allein oder zu zweit vor und wird in kurzer Zeit von unseren Darmschleimhautzellen bis ins kleinste gespalten und aufgenommen.

REISSIRUP HAT EINEN HÖHEREN GI ALS HAUSHALTSZUCKER

Auch wenn die Moleküle einen Ticken langsamer aufgenommen werden sollten als reine Glucose oder Tafelzucker, ist der Effekt auf den Blutzucker im Endeffekt der gleiche. Einen guten Vergleich zwischen reiner Glucose und Reissirup kann man ziehen, wenn man sich die beiden Glykämischen Indizes anschaut. Der GI gibt an, welchen Effekt die Kohlenhydrate eines Lebensmittels auf den Blutzucker haben. Er wird in Prozent angegeben, 100% gibt dabei den Effekt von reiner Glucose an. Reissirup hat einen GI von 98, lässt den Blutzucker also nur 2% weniger hochschießen als reine Glucose. Zum Vergleich: Eine Scheibe Weißbrot hat einen GI von 74, der GI von normalem Haushaltszucker liegt bei 68.

 

Enthält Reissirup viele Mineralstoffe?

 Schonend hergestellter Reissirup enthält kleine Menge an Magnesium (46mg/100g), Natrium (50mg/100g) und Kalium (126mg/100g). Verglichen mit anderen Lebensmitteln sind diese Mengen aber zu vernachlässigen.
Um das mal zu verdeutlichen, hier ein kleines Rechenbeispiel: Um seinen Bedarf an 300mg Magnesium pro Tag zu decken, müssten wir fast 1kg Reissirup essen, aber beispielsweise nur 60g Weizenkleie. Bei den anderen Mineralstoffen sehen die Tatsachen genauso aus.

EIN KILOGRAMM REISSIRUP DECKT DEINEN MAGNESIUMBEDARF

 

Ist Reissirup fructosefrei und deswegen empfehlenswert?

Ja, Reissirup enthält, wie oben schon erklärt, keine Fructose. Das hat den Vorteil, dass unsere Leber sich nicht um den Fructoseabbau kümmern muss und wir uns sicher sein können, dass wir den negativen Effekten der Fructose aus dem Weg gehen (eine Zusammenfassung dieser Effekte werde ich in meinem nächsten Beitrag vorstellen).

Andererseits benötigen wir für die gleiche Süßkraft wesentlich mehr Reissirup als Haushaltszucker. Grund: Fructose empfinden wir als 2,5mal so süß wie reine Glucose und 1,7mal so süß wie Haushaltszucker (einem Gemisch aus Glucose und Fructose). Wer sich nicht an weniger süße Lebensmittel gewöhnen möchte, wird also zu mehr Zucker greifen. Andererseits: Wer so oder so sein Gehirn auf eine geringere Süßtoleranzschwelle trainieren möchte, kann das gut mit Glukose üben.

Anmerkung: Für Menschen mit einer Fructose-Intoleranz ist Reissirup eine sehr gute Zucker-Alternative.

Warum 8 Euro für eine Flasche zu viel ist – und wie ihr für’s gleiche Geld mehr bekommt 

Die Marketingmenschen hinter alternativen Zuckerprodukten sind schon sehr clever. Mit dem Siegel Bio, mit einer hübsch geformten Glasflasche und der „Zucker ist schlecht“-Info im Kopf der Verbraucher kann man für eine 600ml Flasche Ersatzprodukt locker 8 Euro verlangen. Die Nachfrage ist da, das getätschelte Gewissen entschuldigt den Preis.

Doch ich verrate euch mal ein kleines Geheimnis: Bonbonhersteller, Motivtortenbastler, Bäcker und Eisläden kaufen ein ähnliches Produkt für gerade 1,30 € (netto) pro Kilo ein. Hier liegt Glucose zwar immer nur einfacher Form vor, doch wie oben geklärt, macht das keinen großen Unterschied. Gewonnen werden solche Glukosesirups übrigens auch ganz ähnlich wie Reissirup: Nur teilweise eben aus Mais oder anderen stärkeliefernden Pflanzen, aus denen man Glukose extrahieren kann.

Wo bekommt ihr sowas her? Am besten Mal den Eisladen nebenan fragen, wo er seine Glukose einkauft und fragen, ob er euch einen Sack mitbestellt. Das mache ich jedenfalls so. ;)

 

Fazit

Für Menschen mit einer Fructose-Intoleranz ist Reissirup eine gute Alternative, für den Normalverbraucher lohnt sich der Kauf nicht. Wer den Sirup trotzdem mal ausprobieren möchte, kann das jedoch gern tun, da ein reiner Glucosesirup von unseren Körper gut verwertet werden kann.

Und nicht zu vergessen gilt bei ALLEN Zucker(alternativen): Weniger ist mehr. Alles in Maßen. Dann wird alles gut.

 

Trendprodukt Reissirup – warum sich das Draufzahlen nicht lohnt

Zum Informieren und Nachlesen:

Fructose lässt uns weniger satt werden und fördert den Fettaufbau: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15181085
Endokrine und metabolische Effekte nach dem Konsum mit Fructose gesüßter Getränke: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19064538
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3038917/
Stellungnahme BFR zum Thema Fructose und Diabeteshttp://www.bfr.bund.de/cm/343/erhoehte_aufnahme_von_fruktose_ist_fuer_diabetiker_nicht_empfehlenswert.pdf
Fructose als Risiko für eine Fettleberhttp://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18395287

Nährwerte Reissirup: http://www.ernaehrung.de/lebensmittel/de/FRUSANO25/Bio-Reissirup,-Frusano.php
GI Reissirup: http://www.glycemicindex.com/foodSearch.php?num=2648&ak=detail
Was ist der GI und warum ist er umstritten? https://www.ugb.de/glykaemischer-index/glykaemischer-index-tabelle/
Was ist Maltotriose? http://www.nutrientsreview.com/carbs/oligosaccharides-maltotriose.html

 

 

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16 comments

Kati June 20, 2016 - 14:50

Sehr interessant! Wenn es bei uns was Süßes gibt, dann wird auch immer zum Reissirup gegriffen. Allerdings finde ich, dass es schon möglich ist komplett vom Süßen wegzukommen und Obst das einzig süße Lebensmittel sein darf. Aber wie bei allem gibts natürlich Ausnahmen und für diesen Fall finde ich Reissirup, Datteln oder Honig absolut in Ordnung. Man kann den Industriezucker schon recht gut umgehen. :) Vielen Dank für den Artikel, wie immer sehr ausführlich – ich weiß das sehr zu schätzen!
xxx Kati

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Emilie June 21, 2016 - 11:14

Hey Kati :) Nur (frisches!) Obst zum Süßen zu verwenden, ist natürliche eine tolle Lebensweise! Schwierig umzusetzen, aber durchaus möglich. Da spielen dann die Gewohnheiten eine große Rolle. Wer sich an weniger süßes/salziges/scharfes Essen gewöhnt hat, lebt gut damit und findet konventionelle Lebensmittel oft zu intensiv. Für diese Umstellung muss man sich aber aktiv entscheiden und dann auch dran bleiben. Für viele ist der Zeitaufwand und die Arbeitsintensität einfach zu viel, sodass sie zu Fertigprodukten (damit meine ich auch schon Brot, Kuchen vom Bäcker etc) greifen oder die Gemeinschaftsverpflegung nutzen – und schon stellt sich der Gaumen wieder auf mehr Salz und Zucker ein. Ich verfolge deinen Weg auch nebenher und finde es großartig, wie du deine Erfahrungen mit uns teilst! Viel Spaß und Erfolg dir weiterhin! :)

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eatsleepgreen June 21, 2016 - 10:40

Super Artikel, Emilie! Ich persönlich mag trotzdem Ahornsirup am liebsten zum Süßen. Den finde ich auch nicht soooo teuer, zumal er eine starke Süßkraft besitzt. Die Flasche mit Reissirup wird dagegen nicht leer bei mir…. ;-) Liebe Grüße Susanna

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Emilie June 21, 2016 - 11:09

Hey Susanna! Und weißt du, warum der Ahornsirup süßer schmeckt? Eben wegen des höheren Fructoseanteils. :) Ich finde ihn persönlich auch super lecker, er ist einfach so wunderbar aromatisch! Das gibt der reinen Süße nochmal eine wunderbar kräftige Nuance. Liebe Grüße an dich, Emilie :)

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Maria June 21, 2016 - 10:51

Liebe Emilie, also weiterhin von Allem etwas zu sich nehmen. Der Reissirup kann weggelassen werden? Mach ich!!
Und ganz im Ernst finde ich deinen Artikel sehr aufschlussreich, da sorge ich gerne für Verbreitung.
Herzlichen Gruß
Maria

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Emilie June 21, 2016 - 11:07

Genau so ist es, liebe Maria! Genau diese Message wollte ich transportieren. :D Es freut mich wirklich sehr, dass dir die Artikel so gut gefallen, ein Feedback ist immer wunderbar zu hören. :)
Ganz viele Grüße zurück,
Emilie

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Jenni June 23, 2016 - 21:43

Liebe Emilie!

Ich mag es, dass du gängige Mythen, die gerade dabei sind, sich zu etablieren, infrage stellst – weiter so!:)
Solche Beiträge wie diesen hier brauchen wir, um uns nicht von der Lebensmittelindustrie, die den neuen gesunden Markt schon für sich entdeckt hat, an der Nase herumführen zu lassen.
Ich habe mich auch schon durch gefühlt dutzende Süßungsmittel probiert (Reissirup hat mich damals einigermaßen enttäuscht und steht immer noch halbvoll im Regal, wartend auf sein ultimatives Ende) und schwöre nun auf die natürliche Süße aus Datteln (mein heiß geliebtes Dattelmus!), anderen Trockenfrüchten und Bananen. Ganz, ganz, ganz selten süße ich auch einmal mit Birkenzucker – doch den habe ich eigentlich auch nur noch zum Zähneputzen im Haus.

Liebe Grüße
Jenni

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Emilie June 24, 2016 - 19:38

Liebe Jenni, wie schön, dass dir Beiträge dieser Art gefallen – von denen wirst du in Zukunft noch mehr auf meinem Blog lesen! ;) Ich finde nämlich auch, dass sich viele falsche Dinge durch gefährliches Halbwissen etablieren, da versuche ich, dagegen zu wirken. Deine Süßmethoden klingen sehr vorbildlich! Da du sicherlich auch nur wenig süßt, ist die Fructose da auch kein Problem. ;)
Liebe Grüße zurück,
Emilie

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traudeline February 9, 2017 - 00:16

Nun auch wenn Reissirup mit anderen Lebensmitteln verglichen wenig Magnesium u anderes Gesundes vorzuweisen hat und dies verglichen mit anderen Lebensmitteln vernachlässigt werden kann – intressiert doch viel mehr die Frage: Wie ist dies verglichen mit anderen Süßungsmitteln
zu bewerten?
Glucosesirup in der Industrie ist btw fast immer Glucose-Fructose-Sirup – wobei der Fructoseanteil dabei immer der größere, weil Fructose eben stark süßt und gleichzeitig billig ist. Seit mir vor 8 Jahren Fructosemalabsorption diagnostiziert wurde ( schulmedizinisch im KH), hat Reissirup einen festen Platz bei mir. Denn verglichen mit den Zuckerarten die da übrig bleiben hat Reissirup nunmal einen niederen GI. Als “gesunde” Alternative für die nicht wenigen Menschen mit FM macht es dann auch Sinn über die Vorteile von Reissirup zu informieren – anstatt den Rat der mir auch im Krankenhaus von der dortigen Ernährungsberaterin gegeben wurde – einfach gut Traubenzucker DAZU dann kann die Fructose verdaut werden – zu propagieren.
Dass einem pickig-süßes und dickmachendes Zeug nicht mehr schmeckt passiert bei Industriezucker- und Fruchtzuckerreduktion wirklich schnell und das danken einem nicht nur Gesundheit sondern auch die Hüften. Außerdem ist mir in all den Jahren noch nie auch nur irgendeine Art von Werbung für Reissirup untergekommen – steht halt im Bioladen in einer Ecke… diesbezüglich finde ich diesen Blogeintrag, der Reissirup ja doch als Produkt eines Werbehypes, welches nicht hält was es verspricht darstellt, eigentlich eher unreflektiert und nicht sehr divers. Es ist letztendlich ein nicht zu verachtendes Produkt, mit durchaus positiven Eigenschaften vor allem für Leute, die Alternativen wirklich brauchen aber sicher auch für Leute die Abnehmen wollen.

Reply
Emilie February 10, 2017 - 16:05

Ich beantworte deinen Kommentar mal chronologisch. :)

Beim “Industriezucker” muss natürlich darauf geachtet werden, was genau drin ist. Invertzucker als Industriezucker-Lösung besteht, wie du sagst, aus 50:50 Fructose und Glucose-Anteilen. Reiner Glucosesirup, gewonnen aus Mais- oder Reisstärke, ist hingegen immer zu 100% Glucose. Denn da wird nur die Stärke aufgebrochen, nicht die Saccharose.

Du hast Recht, für Menschen mit Fructosemalabsorption oder auch -intoleranz ist Reissirup oder auch z.B. Dextrose eine tolle Alternative bzw die einzige Süßungsalternative, die geht. Ich das Produkt vor allem für Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel bewertet. Ich würde nie soweit gehen und Reissirup als gesundes Süßungsmittel für den Otto-Normalerverbraucher bezeichnen, denn das ist schlichtweg nicht der Fall – behauptet wird das von diversen Medien/der Werbung aber trotzdem. Diese Aussage habe ich mit meinem Beitrag kritisch hinterfragt.

Das ein Zusatz an Dextrose (Traubenzucker) die Fructoseverdauung erhöhen soll, ist ja totaler Quatsch. Vielleicht meine die Beraterin du sollst deinen Haushaltszucker mit Traubenzucker ersetzen? Das würde Sinn machen, da Traubenzucker reine Glucose ist.

Den Hype habe ich sehr wohl vor allem im Internet stark wahrgenommen, auch in englischsprachigen Raum gilt Reissirup als nonplusultra – es kommt natürlich auf die Medien an, die man im Alltag konsumiert um Trends als Hype wahrzunehmen oder nicht.

Alles im allen muss sich jeder schlussendlich selbst für ein Produkt entscheiden. Für dich ist Reissirup bestimmt eine tolle und praktische Alternative und definitiv (in Maßen genossen) nicht ungesund! Vielleicht interessiert dich ja auch mein Fructose-Beitrag: http://emiliestreats.de/bad-guy-fructose-warum-fruchtzucker-der-neue-feind-nr-1-ist/

Viele Grüße,
Emilie

Reply
Björn March 28, 2017 - 18:46

Soweit ich weiß, gibt es keinen “reinen” Glucosesirup von der Eisdiele an der Ecke. Es bleibt herstellungsbedingt immer etwas Fructose im Produkt, was für Menschen, die an einer Intoleranz leiden, durchaus relevant ist. Die Fructose ganz herauszufiltern, würde nur mit einem kostenintensiven Verfahren ermöglicht, was den Preis über den des Reissirups ansteigen ließe. Daher ist aus meiner Sicht die Kritik an selbigem hinfällig. Und so teuer, wie er hier beschrieben wird, ist er auch nicht.
Den ganzen Artikel pack’ ich mal in die Schublade: “Einfach mal dagegen”, zumal fructosefreier Reissirup seit Jahren bekannt ist und nur jetzt für den durchschnittlichen RTL2-Zuschauer als Trend verkauft wird.

Wer sich des Weiteren mit der aktuellen Studienlage zum Thema Zucker befassen will, dem empfehle ich die Arbeiten von Professor Wayne Potts.

Reply
Emilie April 2, 2017 - 12:33

Glucosesirup enthält Fructose wenn dann nur in Spuren und darf ansonsten nicht als Glucosesirup bezeichnet werden. Er wird von den meisten Menschen mit Fructose-Intoleranz gut vertragen.

Mein Artikel bezieht sich, wie auch hoffentlich jetzt in der Überschrift noch deutlicher gemacht, auf den Normalverbraucher, der sich regelmäßig (durch Werbung, Mundpropaganda, Internet) neuen “Wunderprodukten” gegenübersieht. Diesen Werbeversprechen gehe ich als Ernährungswissenschaftlerin auf den Grund und kritisiere sie fachlich fundiert.

Die Bemerkung über den durchschnittlichen RTL2-Zuschauer finde ich persönlich beleidigend und macht mir deutlich, dass wir uns nicht unbedingt in den gleichen Kreisen bewegen. Werbeversprechen finden sich an vielen Stellen des täglichen Lebens wieder.

Viele Grüße,
Emilie

Reply
Chris November 6, 2017 - 13:05

Den Bericht finde ich sehr gut weil er ausgewogen ist. In der heutigen Zeit kann man schon fast von einem “Food Jihad” sprechen. Anders gesagt es findet eine regelrechte Extremisierung im Bereich Lebensmittel statt, angefangen bei Veganaktivisten, über dutzende von Webseiten und Bücher mit pseudowissenschaftlicher Verteufelung von Lebensmitteln.
Dabei wissen wir seit Paracelsus (1493–1541) das alleine die Dosis entscheidet ob etwas gesund oder ungesund ist.
Der Grund wieso ich überhaupt auf dieser Webseite gelandet bin ist, dass ich auf der Suche nach alternativen Süssstoff für Konfitüren und Sirups bin. Ziel ist es ein Süssstoff zu finden, der eine gute Konservierung bietet aber nicht die gleiche Süsskraft wie Zucker (Saccharose) aufweist.
Bis jetzt scheint die Glucose der einzige Zucker zu sein der diese Eigenschaften besitzt. Trotzdem frage ich mich, wieso man keine Rezepte mit Glucose findet und auch die industriell hergestellten Konfitüren und Sirups wird Zucker verwenden?
Meine Überlegung im Detail, traditionell werden Konfitüren im Verhältnis von 1:1 Frucht zu Zucker (Saccharose) hergestellt. Beim kochen invertiert ein Teil des Zuckers was die konservierende Wirkung verbessert. Jedoch empfinden viele Leute diese Konfitüre als zu süss. Wenn ich jetzt ein Teil oder sogar den ganzen Zucker durch Glucose ersetze habe ich mindestens die gleiche, wenn nicht sogar die bessere Konservierungseigenschaft bei kleinerer Süsskraft oder nicht?
Viele Grüsse
Chris

Reply
Emilie November 6, 2017 - 15:10

Lieber Chris,
zunächst: Danke die für das positive Feedback! :) Zu deiner Frage: Richtig, das kannst du so machen. Glucose schmeckt wesentlich weniger süß als Fructose und da Fructose in normalem Haushaltszucker enthalten ist, kannst du mit reiner Glucose einen geringe Süßkraft erreichen. So machen das die Eishersteller übrigens auch: Bei einer sauren Frucht setzen sie mehr Fructose oder Invertzuckerlösung hinzu, bei einer schon sehr süßen Grundzutat benutzen sie fast ausschließlich Glucose.
Wenn du auf den Konservierungseffekt verzichten kannst, kannst du die auch mal die Variante “Chia-Konfitüre/Marmelade” anschauen. Hier wird frisches Obst püriert und durch das Aufquellen der Chiasamen ein Geleffekt erzeugt. Funktioniert auch gut über Nacht, sollte nur dann an den nächsten Mordenden gegessen werden. ;) Ähnlich kannst du das auch mit Sago-Perlen machen (Fruchtmus), dauert nur wesentlich länger, da das dann auch noch kochen muss…
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen!
Viele Grüße,
Emilie

Reply
Dennis April 13, 2018 - 19:12

Hallo Emilie,

als eine von einer Fruktosemalabsorption betroffene Person bin ich auf Deinen Artikel zum Reissirup vom Juni 2016 gestoßen. Auch wenn Dein Artikel eine Weile zurückliegt bzw. vielleicht gerade deswegen, ist es mir doch ein Bedürfnis, kurz darauf einzugehen. Zum einen: fruktosefreie Produkte – wie z.B. der Reissirup – sind inzwischen für 3-4 Euro in jeder Drogerie, Bio-Läden usw. zu erhalten. Woher Deine 8 Euro stammen – es sei denn, diese Angabe bezieht sich auf ein Kilo – ist daher zumindest aus heutiger Sicht nicht mehr abzuleiten. Des weiteren vermeidet Deine Darstellung – als normaler Verbraucher könne man ja viel billigeren Glukosesirup bei der Eisdiele nebenan erhalten – zum einen den Praxisbezug, da man als Endkunde ja eher in den normalen Einzelhandel geht. Zum anderen aber auch, dass eben dieser von Dir erwähnte Glukosesirup in einer überwiegend hohen Anzahl der Hersteller weder in Bio-Qualität erhältlich ist und leider auch in der Regel aus gentechnisch verändertem Mais gewonnen wird. Und dafür sollte meines Erachtens nicht auch noch hier “geworben” bzw. dafür auch noch eine Lanze gebrochen werden. Sorry für meine “hyperkritische” Sicht auf Deinen Beitrag, aber zu einer Medaille gehören immer auch zwei Seiten. Ansonsten finde ich Deinen Blog klasse!

Viele Grüße, Dennis

Reply
Emilie April 13, 2018 - 21:46

Lieber Dennis,
tatsächlich ist der Artikel mittlerweile sehr veraltet. Die Preise stimmen so nicht mehr, damals war Reissirup sehr neu und sehr teuer. Ich wollte damals mit meinem Text zeigen, dass Reissirup kein neues Wundermittel ist, sondern im Endeffekt auch “nur” Glukose – chemisch gesehen also genau das gleiche wie aus anderer Stärke gewonnener Sirup. Deine Kritik in Richtung Bio-Aspekt ist absolut berechtigt! Mais-Glukosesirup aus den USA o.ä. unterstützt Monokulturen und ist nicht nachhaltig. Das ist ein Punkt, auf den ich definitiv nochmal eingehen sollte. Andererseits muss ich dazu sagen, dass zwischen in Deutschland hergestellten Maisprodukten und solchen, die im Ausland produziert werden, unterschieden werden muss. Denn hier sind die Regelungen bzgl. Gentechnik wesentlich strenger.
Wie dem auch sei: Danke dir für deinen Kommentar, du inspirierst mich, mehr zum Thema Bio zu schreiben! Und einige Aspekte in diesem Artikel passe ich gern an.
Liebe Grüße,
Emilie

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