Kokosöl Teil 1: Superfood auf Rückzug – Wie Medien unsere Ernährung beeinflussen

by Emilie
Kokosöl

Fett und Abnehmen – vor wenigen Jahren waren das noch zwei Worte, die absolut nicht zusammen passen wollten. Heute ist das anders. Jetzt sind Kohlenhydrate die neuen Dickmacher. Ernährungsbewusste setzen deshalb vermehrt auf Fett und Protein.

Wissenschaftliche Hintergründe interessieren bei der kategorischen Einteilung von Lebensmitteln in die Kategorien „Gut“ und „Böse“ meist wenig. Trends, Star-Diäten und die Meinungen von Social Media Größen oder auch selbsternannten „ExpertInnen“ reichen vielen Menschen als Grund, ihre Ernährung umzustellen oder anzupassen.

Kokosöl ist ein gutes Beispiel, um zu betrachten, wie viel stärker populäre Medienberichte die Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen beeinflussen als es wissenschaftlich basierte Empfehlungen von Fachgesellschaften tun.

Erst in, jetzt out: Kokosöl als Spielball der Medien

Als ich meinen Blog startete, das war vor etwas mehr als drei Jahren, hatte Kokosöl gerade seinen Siegesmarsch angetreten. Zuerst waren es die Flyer in den Reformhäusern, die Kokosöl es als neue Wunderwaffe gegen eine Vielzahl von Krankheiten und als Beauty-und Schlankheits-Geheimtipp anpriesen. Und dann war es plötzlich überall. Jeder Keks, Riegel, Snack, Drink,  sogar der Kaffee schmeckte plötzlich nach Kokos. In jeder Zeitschrift, auf jedem Blog und bei jeder halbwegs wichtigen öffentlichen Person stand es auf dem Speiseplan. Ein Hype, der schwer zu ignorieren war.

Und jetzt? Heute wird zurückgerudert. Der US-Umsatz im Einzelhandel mit Kokosöl sank um krasse 30 % seit dem Kokosöl-Hoch in 2015 (Quelle: SPINS). In Deutschland dürften die Zahlen ähnlich aussehen. Denn die Medien blasen wiedermal ins Horn: Den Cholesterinspiegel soll Kokosöl erhöhen und das Schlaganfallrisiko stärken. Einige populäre Meinungen sprechen schon vom schlechtesten Fett aller Zeiten und betiteln es als „pures Gift für den Körper“. (Zitat Prof. Michels)

Doch wie ist es möglich, dass innerhalb weniger Jahre ein Großteil der Medienlandschaft von einer Meinung in die komplett gegensätzliche umschwenkt?

 

So begann der Kokosöl-Trend

Der Kokosöl-Siegeszug begann, als Ende der 90er die damals populäre Meinung „Fette sind schlecht“ mehr und mehr hinterfragt wurde. Kritiker buddelten alte Studien hervor, die das Gegenteil (Fett = gut) beweisen sollte. So entstand eine regelrechte Gegenbewegung. Jetzt wurden high-fat Diäten wie Atkins oder Dukan wieder zum Leben erweckt und systematisch Kohlenhydrate als Dickmacher beschrieben.

Gleichzeitig rückte die pflanzenbasierte Ernährungsweise in die Mitte der Gesellschaft vor. Veganerinnen und Veganer entdeckten Kokosöl als Butterersatz und Bratfett für sich, als naturbelassenes Lebensmittel passte es zum neuen Trend.

Angefeuert wurde der Hype dann durch WissenschaftlerInnen, die die wohl eigentliche Wunderkraft des Kokosöls entdeckt haben wollten: Die mittelkettigen Fettsäuren, die vor allem im nativen Kokosöl die fantastischsten Wirkungen auf unseren Körper haben sollten. Spätestens als Celebrities anfingen, vom Fett zu schwärmen, gab es kein Halten mehr.

 

Und da haben wir sie schon, die magische Formel für den Kokosöl-Hype: Ein naturbelassenes Produkt, dass in mehreren Ernährungsgruppen nachgefragt wird, von WissenschaftlerInnen als wahrscheinlich positiv für den Körper dargestellt und von Starts und Sternchen empfohlen wird.

 

Nun setzten auch immer mehr Unternehmen auf den aufkommenden Trend und boten das teure native Kokosöl in ihrem Sortiment oder in ihren Produkten an. Egal ob Reformhaus, Supermarkt, Drogerie… Das “weiße Gold” gibt es mittlerweile vermehrt zu kaufen. Sogar in der Apotheke ist Kokosöl* jetzt erhältlich, was den (angeblichen?) Gesundheitsfaktor noch unterstreicht. So kämpfte sich Kokos seinen Weg in die Regale, Küchen und der Herzen der westlichen Welt.

 

Good cop, bad cop: Die Wissenschaft bremst den Hype

Doch die Gegenwelle hat schon begonnen. In immer mehr Artikeln und Statements von öffentlichen Personen wird Kokosöl jetzt negativ kommentiert. Auslöser dafür waren die stark verspäteten Resumeés weltweiter Ernährungsgesellschaften und –fachzeitschriften. Die ließen sich mehrere Jahre Zeit um auf den Trend zu reagieren und schließen jetzt mit der ernüchternden Meinung: Vollkommen überzogen der Hype, sicher ist gar nichts und eher weniger als viel Kokosöl ist gut für den Körper.

Warum kommen diese wichtigen Fachmeinungen gefühlt immer zu spät? A) Weil ein guter, wissenschaftlich fundierter Beitrag Zeit braucht. Und B) Weil es zu neuen Themen meist nur wenige Studien gibt, oft wird noch auf aktuellere Ergebnisse gewartet. Und leider auch C) Weil Fachkräfte weniger auf den Sozialen Medien unterwegs sind und deshalb erst Wind vom Hype bekommen, wenn auch einschlägige Groß-Medien ihn zum Thema machen.

Mit wissenschaftlich abgesicherter Kritik startet nun die Gegenwelle: Social Media Größen, (Möchte-gern)Experten und die Medien stürzen sich auf den im sterben liegenden Hype und übertreiben mal wieder maßlos: Ha! Große Gesundheitslüge! Wir wurden alle hinters Licht geführt, SO SCHLECHT IST KOKOSÖL WIRKLICH!!1!!

 

Was nun? Die Wahrheit liegt in der Mitte

Als VerbraucherIn ist es sehr schwer, mit dieser Art von Berichterstattung Schritt zu halten. Gerade bei Ernährungsthemen, bei denen sich für den Laien jede Meinung erstmal irgendwie plausibel anhört, ist fast unmöglich, Falschaussagen von fundierten Fakten zu unterscheiden. Es hilft noch nicht mal, sich auf Professoren oder Doktor-Titel zu verlassen, denn wie dieses Video zeigt, wird auch hier maßlos nach Aufmerksamkeit geheischt und Themen zur Absurdität aufgeblasen. Wie also reagieren? Im besten Fall mit Gelassenheit und einen Blick in die Fachzeitschrift – deren Aussagen ich euch morgen in einem extra Beitrag zusammenfassen werde.

 

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3 comments

Lisa September 3, 2018 - 11:44

Hallo Emilie,
sehr schön geschrieben! Ich finde es erschreckend, wie viele extreme Meinungen es zur Zeit zum Thema Kokosöl gibt. Da ist es als Verbraucher verständlicherweise nicht einfach, den Überblick zu behalten (ist ja aber auch kein einfaches Thema :). Diese ganze Debatte um Kokosöl ist für mich das beste Beispiel, dass Ernährung eben nicht schwarz weiß ist und man nicht alles pauschalisieren kann.
Bin schon gespannt auf Teil 2 deines Artikels!
Liebe Grüße
Lisa

Reply
Chrissie September 3, 2018 - 13:12

Oh wie spannend. Das mit den mittelkettigen Fettsäuren im Kokosöl, die angeblich so gut sein sollen, habe ich auch vor ein paar Jahren mal gelesen, als ich im Rahmen einer Zuckerentwöhnung mich mit der Ketogenese beschäftigt habe. Hatte damals aber nicht weiter dazu geforscht (und zu dem Zeitpunkt sicher auch noch keine aktuellen Studien gefunden). Von daher bin ich mal gespannt, was du von den aktuellen Forschungsergebnissen berichtest :)

LG, Chrissie

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Kokosöl - gesundes Wundermittel oder giftiges Fett? • Dinkel & Beeren September 4, 2018 - 10:40

[…] möchte ich euch diesen tollen Beitrag von Emilies Treats ans Herzen legen. Es geht hierbei um den Einfluss von Medien auf […]

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