Für wen Kalorien-Zählen sinnvoll ist

by Emilie

Die Phrase „Ich zähle keine Kalorien sondern Nährstoffe“ lese ich auf Foodblogs, in Interviews mit Stars und Sternchen, aber auch in Kochbüchern immer wieder so oder so ähnlich. Die Trenddiäten „Clean Eating“, „Paleo“ oder auch die traditionellere Vollwerternährung verzichten komplett auf eine Energierestriktion und setzen dafür auf das Ausschließen von bestimmten Lebensmitteln oder ganzen Lebensmittelgruppen.

Das hier wird kein Artikel, der all diese Ernährungsformen detailliert bewertet, sondern ein Beitrag, der beschreibt, für wen das aktuell verpönte Kalorienzählen sehr sinnvoll ist.

 

Wenige Kalorien – viel Abnehmen?

Wenn eine Person mehr Kalorien verbraucht, als sie aufnimmt, verliert sie an Gewicht. Das lernen wir in der Schule und auch im Studium genau so. Jeder ist sich dieser Tatsache bewusst und trotzdem steht genau dieser Fakt immer öfter in der Kritik. Das Kalorienprinzip sei nicht mehr zeitgemäß, Zahlen zusammenrechnen verdirbt den Genuss und sowieso sei der Zusammenhang zwischen weniger Kalorien und Gewichtsabnahme gar nicht bewiesen.

 

Um eines vor ab ganz klar zu stellen: Diese Lehrmeinung ist durch zahlreiche Studien belegt* und so aktuell wie eh und je. Es mag vielleicht nicht genuss-romantisch oder bequem erscheinen, doch wer Gewicht verlieren möchte, muss, wie auch immer, Kalorien reduzieren.

 

Deshalb ist Kalorienzählen sinnvoll

Für den Ottonormalverbraucher ist es nicht leicht einzuschätzen, wie viel Energie in einem Lebensmittel steckt. Klar weiß jeder, dass eine Tüte Chips mehr Kalorien hat als eine Gurke. Doch könnt ihr aus dem FF erklären, wie es kommt, dass ein Salat aus dem Supermarkt so viele Kalorien hat wie ein weißes Bäckerbrötchen und die Pizza mehr Kalorien als das Nudelgericht?

Ich bin mir sicher, dass sich die allermeisten Leser*innen dieses Blogs sehr gern und auch häufig mit den Themen Ernährung, Kochen und den verschiedenen Lebensmitteln auseinandersetzen. Doch wir vergessen immer wieder (auch mir passiert das häufig), dass nicht jeder so tickt wie wir, unser Freundeskreis, unsere Familie oder unsere engen Kollegen. Eine Freundin von mir arbeitet an der Kasse und meinte zu mir: „Emilie, du kannst die gar nicht vorstellen, was die Leute alles kaufen! Ich dachte ja nicht, dass es SO schlimm ist!“. In unserem Studium werden wir immer wieder darauf hingewiesen, dass es schon die einfachen Tipps und Tricks sind, die im Beratungsalltag große Wirkungen zeigen. Tipps wie „Das Gemüse sollte eher gekocht oder gedünstet werden, da das Braten und Frittieren mit Fett wesentlich energiereicher ist“ kommen uns Studierenden total überflüssig und nicht erwähnenswert vor. „Das ist doch klar!“, denken wir.

Doch es ist eben nicht so, dass jeder ein Bewusstsein für eine gesunde Ernährung hat. Das mag an der Bildung, den Gewohnheiten aus Kindertagen oder auch einfach an dem fehlenden Interesse liegen. Fest steht, dass für genau solche Menschen mit Gewichtsproblemen Kalorienzählen sinnvoll ist. Wer sich für eine Woche alle Lebensmittel aufschreibt, die in den Magen wandern, und sich dann die Kalorien der verschiedenen Mahlzeiten anschaut, wird vielleicht viele Überraschungen erleben. Nur durch solche bewussten und anschaulichen Methoden lernen Menschen, Lebensmittel nach dem Energiegehalt einzuteilen.

 

Auch Programme wie Weight Watchers helfen, ein Gefühl für die Lebensmittel zu bekommen. Jedes Lebensmittel bekommt eine Punktzahl, am Tag darf eine festgelegte Punktesumme nicht „übergessen“ werden. Dabei geht es erst mal nicht um Vitamine und Mineralstoffe, noch nicht mal um den Protein- oder Kohlenhydratgehalt, sondern einfach nur um den trockenen Energiegehalt eines Lebensmittels. Trotzdem ist das Programm sehr erfolgreich und wird von vielen Ernährungswissenschaftlern empfohlen.

 

So könnt ihr auf’s Kalorienzählen verzichten

 Wer bereits ein breites Wissen hat und den Kaloriengehalt verschiedener Lebensmittel gut einschätzen kann, muss natürlich nicht jeden Tag Zahlen summieren, vor allem nicht bei einem normalen Gewicht. Es reicht vollkommen, auf sein Hungergefühl und eine große Variabilität zu achten. Trotzdem gibt es ein Konzept, mit dem das gesunde Essen noch einfacher umzusetzen ist (ohne auf Lebensmittel komplett zu verzichten): Die Einteilung der Lebensmittel nach Energie- und Nährstoffdichte.

Die Energiedichte beschreibt den Energiegehalt in Kilojoule oder Kilokalorien pro Gramm. Lebensmittel mit einer geringen Energiedichte haben also im Vergleich wenig Kalorien. Eine hohe Nährstoffdichte gibt im Gegensatz dazu an, wie viele Nährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe) auf eine Energieeinheit, also eine Kalorie, kommen.

Ein paar Beispiele veranschaulichen das am eindrucksvollsten: Eine Tüte Chips hat viele Kalorien, ist aber arm an Vitaminen und Mineralstoffen. Chips haben also eine hohe Energie-, jedoch eine geringe Nährstoffdichte. Bei einer Paprika ist es genau umgekehrt und Getreide wie Roggen oder Hafer hat sowohl eine hohe Energie- als auch eine Nährstoffdichte. Wer sich also von Lebensmitteln ernährt, die mindestens eine so hohe Nährstoff- wie Energiedichte haben, ist immer auf der sicheren Seite. Euer Magen ist mit viel Volumen und Nährstoffen, aber weniger Energie gefüllt und das Sättigungsgefühl tritt bei weniger Kalorien ein.

 

Habt ihr schon einmal Erfahrungen mit Kalorienzählen gesammelt? Könnt ihr den Energiegehalt eurer Lebensmittel gut einschätzen? Ich freue mich über eure Kommentare!

 

 

 

* Aufgrund der Masse an Studien, die den Zusammenhang zwischen Energierestiktionsdiäten und Gewichtsabnahme belegen, habe ich hier keine ausgewählten aufgeführt. Wer sich dafür interessiert, kann mir gern schreiben und ein paar Links zugeschickt bekommen!

 

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6 comments

Jenni May 30, 2016 - 20:38

Liebe Emilie!

Was heißt hier denn “in die Nesseln gesetzt”? ;)
Ich finde diesen Beitrag großartig!
Obwohl ich zu genau den Aposteln gehöre, die ein natürliches Essverhalten propagieren und die Abkehr von Ernährungsapps befürworten, sehe ich es auf der anderen Seite ganz genauso wie du: Kein Konzept ist für alle richtig. Und es ist eben für manche Menschen in manchen Situationen genau richtig, penibel Kalorien zu zählen, während es für andere genau das Falsche ist. Das kann sich sogar bei einer bestimmten Person innerhalb von ein paar Monaten sowohl in die eine als auch in die andere Richtung verändern (das habe ich an mir beides schon erlebt). Letzten Endes muss jeder und jede das wählen, was ihn oder sie am glücklichsten (und gesündesten) macht. :)

Liebe Grüße
Jenni

Reply
Emilie May 31, 2016 - 11:13

Hallo Jenni!
Danke für deinen wunderbaren Kommentar. Ich bin so froh, dass ich vor allem auf Zustimmung stoße. Da ich so viele radikale Beiträge gegen das Kalorienzählen gelesen habe, musste meine Meinung jetzt mal raus. ;) Es ist genau wie du sagst: Für jeden gibt es einen individuellen Weg, eine gesunde Beziehung zu Essen und Ernährung aufzubauen. Schön, dass wir da einer Meinung sind! :)
Ganz liebe Grüße zurück,
Emilie

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Chrissie May 31, 2016 - 12:19

Liebe Emilie,
ich finde diesen Beitrag richtig gut und wichtig. Ich denke es ist wirklich so wie du schreibst: für Menschen, die sich nicht so intensiv mit Lebensmitteln und ihren Nährstoffen beschäftigen, ist Kalorienzählen wichtig, um überhaupt erstmal ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel Energie jetzt wirklich in so einem Salat mit Feta und Jogurtsoße drinstecken. Oder wieviel Kalorien ein Milchkaffee wirklich hat. Es ist schön, wenn man an dem Punkt angelangt ist, an dem man so ein gutes Gespür hat, dass man wirklich frei nach dem “ich zähle Nährstoffe, keine Kalorien”-Prinzip essen kann, aber für den Nicht-Foodblogger/Ernährungsspezialisten ist das denke ich ein langer Weg. Umso wichtiger wäre es, dass dieses Wissen viel stärker in Schulen vermittelt wird – über den Energiegehalt von Eiweiß/Fett/Kohlenhydrate habe ich meiner Erinnerung nach erst im Studium erfahren.
Was du über Nährstoffdichte schreibst klingt einleuchtend. Hast du da einen Tipp, auf welchen Internetseiten man sich dazu weiter informieren kann, vielleicht sogar Listen mit den Top-Lebensmitteln? ;)
Liebe Grüße,
Chrissie

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Emilie June 1, 2016 - 20:25

Danke für diesen tollen Kommentar! Da geht mein Herz richtig auf! :D Ich gehe mit allem, was du sagst, vollkommen mit!
Zu deiner Frage: Ja, es gibt eine Einteilung, die so ihre Runde macht, die bezieht sich allerdings erstmal nur auf die Energiedichte. Danach sind alle Lebensmittel “grün”, die weniger als 150 kcal pro 100g haben, bis 250 kcal pro 100g wären die Lebensmittel gelb und alles darüber wäre dann rot. Grün ist natürlich “besser” als rot. ;) Hier hast du mal eine schöne Übersicht, wie so etwas aussehen kann: http://www.vibono.de/pdfs/Vibono-Energiedichtetabelle.pdf
Übrigens: Die Ureinwohner auf Okinawa (die Inselgruppe mit den meisten 100 Jährigen) haben den Namen der Okinawa-Diät geprägt, die auf dem Prinzip der Energiedichte aufbaut. Theorie: Satt werden und dabei lieber Volumen statt Kalorien zu sich nehmen.

Eine Liste eingeteilt nach der Nährstoffdichte ist mir leider noch nie über den Weg gelaufen. Allerdings hat Obst und Gemüse per se schonmal viele Vitamine, Mengen- und Spurenelemente, auch Milchprodukte und Fleisch können mit einer Latte von Nährstoffen protzen. Letztere haben aber dazu aber auch eine nicht niedrige Energiedichte – du siehst, die Sache läuft auf viel Gemüse raus. Wie eigentlich meistens! ;)

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Marsha September 18, 2016 - 12:20

Sehr schöner Artikel! Es ist wirklich so, bei vielen Lebensmitteln ist man total geschockt, wie viele Kalorien darin stecken – auch wenn man denkt, man kennt sich ja eigentlich ganz gut aus. Gerade diese Dinge, die man nebenbei so gedankenlos in sich rein schaufelt. Mein Mann und ich zählen seit einer Zeit Kalorien (ich immer mal wieder, aber jetzt mit besserem Konzept und Verständnis) und er recht frisch. In den ersten drei Tagen war er total genervt, weil bspw. sein Frühstück schon 1400 Kalorien hatte (wir hatten Salami etc. aus Italien mitgebracht :-D). Inzwischen hat er sich daran gewöhnt und weiß jetzt eher “was sich lohnt”. Inzwischen halten wir es mit den Kalorien fast genau so wie mit bestimmten Geldausgaben. Das Genusserlebnis/Sättigungsgefühl muss die Kalorien auch wert sein, haha. Gestern waren wir im Serengeti Park und haben dort mittags auch gegessen. es gab aber nur fast food kram, der nicht mal gut war und wir hatten beide abends so Gefühl von Enttäuschung. Wir waren beide über unserem Kalorienziel, hatten aber das Gefühl, es hat sich gar nicht gelohnt, es war die Kalorien nicht wert. Bei uns ist es aber auch so, dass wir beide Gewicht verlieren wollen und nicht aus Jux und Dollerei zählen. Inzwischen können wir auch schon viel abschätzen und wissen, das ist okay. Hier lieber zurück halten usw. Aber jeder, der sich für so etwas interessiert, sollte einfach mal 1 Woche alles zählen. Da gehen einem schon die Augen auf.

LG Marsha (sorry für den Roman :-D)

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Emilie September 19, 2016 - 09:36

Liebe Marsha,
danke für deinen Bericht! Dein Motto finde ich großartig, du triffst die Sache auf den Punkt! Natürlich muss man aufpassen, dass das Ganze nicht zu verkrampft wird, aber ich gehe unbewusst ähnlich vor, wie du: Wenn ich weiß, dass die Pizza super lecker ist, gebe ich gerne dafür einen Euro mehr aus und akzeptiere, dass sie vielleicht nicht die gesündeste Wahl war. Dafür war der Genuss es wert! :)
Ich bin mir sicher, dass ihr bald euer Traumgewicht erreicht habt. Bei den tollen Rezepten, die ich bei dir immer sehe, sollte das gar nicht so lange dauern. ;) Ihr seid auf jeden Fall eine Inspiration! Toll!
Ich grüße dich ganz lieb,
Emilie

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