Ernteglück und Linsensalat

by Emilie
Ernteglück und Linsensalat

In einer Zeit, in der es Erdbeeren schon im Januar, Tomaten das ganze Jahr und Radieschen für 30 Cent zu kaufen gibt, scheint der Trend „Urban Gardening“ fast komisch-paradox.

Gemüse auf dem Balkon anzubauen ist weder ökonomischer, noch nachweislich gesünder und trotzdem gibt es für mich nichts Schöneres, als Ende Februar mein Saatgut zu sichten und im Kalender meine Aussaat-Termine zu planen. In der Erde zu buddeln macht mir Spaß und schlussendlich mit einem großen Bund Salat, Möhren, Mairübchen, Kräutern, oder Radieschen in der Hand stolz wie Bolle in der Küche zu stehen, ist mir die ganze Arbeit wert.

Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

Vielleicht ist das auch mit der Grund für den zunehmenden Trend: Der Weg hin zum Produkt ist so spannend, so ergreifend, dass wir die eigene Ernte am Ende ein wenig romantisieren (dürfen). Gibt es etwas Leckereres auf der Welt als eigene knallrote Balkontomaten? Sitzt man nicht viel überzeugter vor dem eigens angebauten Salat und könnte schwören, er schmecke viel aromatischer? Vielleicht ist das auch manchmal so. Gerade bei alten Sorten, die wir im Supermarkt nicht finden, schmecken wir schon deutliche Unterschiede. Doch ich denke auch, und daran ist auch gar nichts verwerflich, dass unser enormes Ernteglücksgefühl unseren Geschmacksknospen einen kleinen Push gibt.

Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

So bin ich mir auch ziemlich sicher, dass meine Balkonradieschen um Welten besser schmeckten als die vom Supermarkt. Schließlich habe ich die roten Knollen ja auch liebevoll gepflegt und selbst heranwachsen sehen! ;)

Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

Beim Radieschenanbau ist ein wirklich zeitig angesetzter Aussaattermin wichtig. Meine Samen gingen schon Ende März bei mir raus. Denn sobald die zarten Blätter mit zu viel Sonne konfrontiert werden, investiert die Pflanze ihre Kraft nicht mehr in standhafte Wurzeln, sondern schießt dem Himmel entgegen. Wenn das passiert, können die kraftvollen Blätter für eine Radieschenblätter-Suppe verwendet werden.

Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

Ich habe lange überlegt, wie ich meine diesjährige erste Großernte* angemessen verarbeiten werde. Mir schwirrten Ofengemüse, Vollkornfladen, Radieschenknollen im Buttermantel und vieles mehr im Kopf herum. Nach dem Ernten wurde es dann spontan aber nichts von alledem, sondern ein simpler und doch komplex schmeckender Linsensalat. Die feinen, knackig-scharfen Radieschenscheiben kamen wunderbar zu Geltung! Schwups, noch ein wenig balkoneigene Kresse und den letzten Bärlauch drüber gesprenkelt – fertig ist ein frisches Gartengericht, das ich zurzeit allem anderen vorziehe.

*Kresse, Salat und Kräuter in allen Formen gibt es natürlich schon viel eher als Radieschen, Mairübchen und Co.

 Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

Wächst auf eurem Balkon auch das eine oder andere Kraut? Seid ihr Besitzer eines eigenen Gemüsegartens und engagiert ihr euch im Stadtgarten? Erzählt mir von euren Urban-Gardening-Erfahrungen, ich freue mich sehr über eure Kommentare! :)

Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

Linsensalat mit Ras-El-Hanout-Dressing

Linsensalat mit Ras-El-Hanout-Dressing

Ingredients

  • 1 Tasse eingeweichte Linsen (bei mir: Pardina)
  • 1 Bund frische Radieschen
  • 1 handvoll Kresse
  • 1 handvoll Bärlauch
  • Feta nach Belieben
    für das Dressing
  • 3 EL Hanföl
  • 2 EL Zitronensaft
  • 1 EL Granatapfelsirup
  • 1 TL Ras El Hanout
  • Salz, Pfeffer

Instructions

  1. Die eingeweichten Linsen mit einem Esslöffel Apfelessig und 2 Tassen Wasser kochen lassen. Sobald sie al dente sind herausnehmen - das überschüssige Wasser eventuell abgießen.
  2. Die Radieschen in feine Scheiben schneiden, den Feta grob zerbröseln. Den Bärlauch grob hacken.
  3. Für das Dressing alle Zutaten in einer Tasse oder einem kleinen Schälchen vermischen.
  4. Alles zusammen anrichten. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. Dazu passt auch gut: Feldsalat, Rucola oder Pflücksalate (frisch vom Balkon).
http://emiliestreats.de/erntegluck-linsensalat/

Ein frischer Linsensalat mit knackigen Radieschenscheiben frisch vom Balkon. Kresse, Ras El Hanout und Feta geben dem Salat seinen aromatischen Geschmack.

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5 comments

Ye Olde Kitchen June 6, 2016 - 16:00

Hi Emilie,
ein toller Salat, den du da aus deiner Ernte gebastelt hast. Sieht total knackig-frisch aus. Die Idee mit dem Holzkorb finde ich klasse und werde das gleich bei uns auf dem Balkon integrieren. Wir haben nämlich noch ein paar solcher Körbchen nutzlos im Keller stehen. Und ja natürlich schmeckt selbstgezogenes Gemüse, Obst, Salat und Kräuter viiiiieeeeel besser, als gekauftes ;-)
Viele Grüße, Eva

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Emilie June 6, 2016 - 17:17

Liebe Eva,
so ein Korb ist gerade für kleine Knollen, Salate und ähnliches echt super! Jetzt habe ich gerade Asia-Salate darin ausgesät, die kommen dann im Spätsommer so richtig schön. :)
Freut mich sehr, dass dir das Rezept gefällt! Wir wissen schon, was schmeckt, wa? ;D
Viele Grüße zurück,
Emilie

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Kateryna June 9, 2016 - 11:54

Trotz eines Gartens kann ich mich nicht aufraffen, selbst etwas zu pflanzen. Der Salat sieht aber lecker aus und eine Suppe aus den Blättern zu kochen, ist eine geile Idee (der Artikel zur Lebensmitteverschwendung ist auch toll, schreibe gerade auch an einem). Meine Mutter verfeinert Okroshka (eine kalte russische Suppe) mit Radieschenblättern und sie schmeckt so gut!

Reply
Emilie June 9, 2016 - 14:33

Liebe Kateryna, dabei ist es gar nicht schwer und dauert auch nicht lang. :D Aber klar, für den ersten Schritt braucht es immer etwas Überwindung. Vielleicht im nächsten Jahr? :)
Von der Suppe habe ich noch nie etwas gehört, das macht mich neugierig. Danke für deinen lieben Kommentar!

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Kateryna June 10, 2016 - 10:03

Vielleicht fange ich mit etwas kleinem an – Blumen umtopfen…
Es gibt verschiedene kalte Suppen aus diesem Raum, leider passen sie nicht in mein Konzept der 5 Zutaten und ich habe bis jetzt keine einzige gepostet. Aber lecker sind sie auf jeden Fall.

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