Dr. Toni Meier steht Rede und Antwort zum Thema: „Umweltschutz mit Messer und Gabel“

by Emilie
Dr. Toni Meier steht Rede und Antwort zum Thema: „Umweltschutz mit Messer und Gabel“

Ihr habt es sicherlich schon mitbekommen: Gestern begann die große Nachhaltigkeitswoche bei Emilies Treats! Diese Woche geht es Schlag auf Schlag, neben meiner eigenen Zusammenfassung (hier) und Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag, werden auch zwei andere kluge Menschen zu Wort kommen.
Den Anfang macht heute Dr. Toni Meier, für den Ernährung und Nachhaltigkeit sehr wichtige und eng miteinander verknüpfte Themen sind.

In unserem Institut gibt es einen Dozenten, der sich schon länger mit dem Thema Ernährung und Umwelt befasst. Seine Doktorarbeit befasste sich genau mit diesem Thema, mittlerweile ist Toni Meier promovierter Agrar- und Ernährungswissenschaftler.

Er hält bei uns die Vorlesung „Erzeugung und Qualitätsbewertung pflanzlicher Produkte“, ist Autor des Buches „Umweltschutz mit Messer und Gabel – Der ökologische Rucksack der Ernährung in Deutschland“ und bezeichnet sich selbst als Flexitarier.

Für meinen Beitrag sah ich keinen besseren Ansprechpartner und bedanke mich deshalb sehr bei Ihnen, Herr Dr. Toni Meier, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns einen kleinen Einblick in Ihre Sicht zum Thema zu geben.

Bühne frei für meine Fragen und seine Antworten!

Dr. Toni Meier steht Rede und Antwort zum Thema: „Umweltschutz mit Messer und Gabel“

Herr Dr. Toni Meier, wie sind Sie auf das Thema der nachhaltigen Ernährung gestoßen? War Ihnen schon immer bewusst, dass was wir essen nicht nur unseren Körper, sondern auch die Umwelt beeinflusst?

Angefangen hat bei mir alles mit einer Reise nach Mittelamerika im Jahr 2004. Dort hatte ich Gelegenheit, mehrere Bananen- und Kaffeeplantagen zu besichtigen. Am meisten bewegt hat mich die traurige Tatsache, dass damals in den meisten Bananenplantagen Unmengen an Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln) ausgebracht wurden, die nicht nur öko- sondern auch starke humantoxische Auswirkungen hatten. Regelrecht schockiert hat mich die Tatsache, dass das Mittel Dibromchlorpropan (DBCP) – hergestellt in den USA – bis weit in die 1990er Jahre in Mittelamerika zum Einsatz kam, obwohl es in den USA längst verboten war. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 40.000 Plantagenarbeiter durch das Mittel zeugungsunfähig wurden.

Was tun Sie persönlich, um unser Klima zu schützen? Verzichten Sie auf bestimmte Lebensmittel, besitzen Sie ein Auto, woher nehmen Sie Ihren Strom?

Es wäre äußerst ungewöhnlich, wenn unsere Forschungsergebnisse keine Spuren auch im persönlichen Alltag hinterlassen würden. Das ist ja gerade das Schöne an einer nachhaltigeren Ernährung: jeder Mensch isst und das mehrmals täglich. Aus diesem Grund kann er quasi permanent durch seine Entscheidung Einfluss auf die Umwelt, seine Mitwelt und seine Gesundheit nehmen. Persönlich habe ich diverse Kostformen bereits am eigenen Leib erprobt. Letztendlich hat sich eine flexitarische Ernährungsweise als die passendste herauskristallisiert – d.h. tierische Produkte kommen vor, aber die Prämisse der Qualität zählt mehr als die der Quantität. Ein Fahrzeug nutzen wir im Familienbetrieb. Wenn ich persönlich unterwegs bin dann vornehmlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der Bahn. Unseren Strom beziehen wir derzeit von Lichtblick – unser Erdgas von Naturstrom mit einem Agrargasanteil von 20%.

Sollten wir nun besser alle auf Fleisch verzichten?

Gesamtgesellschaftlich und planetarisch-ökologisch ist ein kompletter Fleischverzicht nicht notwendig und auch nicht zielführend. Entscheidend ist – und gegenwärtig sind wir diesbezüglich auf einem guten Weg – dass wir unseren Umgang, unser Selbstverständnis in Bezug auf Fleisch ändern. Stellte Fleisch innerhalb der letzten Jahrzehnte immer das Zentrum einer Speise dar, sei es in Form des Schnitzels, der Roulade oder der Wurst, so wird Fleisch zukünftig eher zu einer Delikatesse, dessen Verzehr bereits in kleinen Mengen ausreicht. Im Gegenzug treten andere Nahrungsmittel auf den Speiseplan, die sich durch eine bessere Umweltbilanz, und im Idealfall auch Gesundheitsbilanz auszeichnen.

Als Lebensmittel mit einem hohen Nährwert und einem einzigartigen Geschmack wird Fleisch in der Ernährung vieler Menschen weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Macht es, unter Umweltaspekten betrachtet, überhaupt einen Unterschied, auf Biofleisch umzusteigen?

Das ist vom Umweltindikator abhängig, den man ins Kalkül zieht. Bedingt durch längere Mastdauern, ineffizientere Futterumsätze und grünfutterlastigere Rationen schneidet Biorindfleisch unter Klimagesichtspunkten beispielsweise ungünstiger ab, als konventionell produziertes Rindfleisch. Einzig und allein auf den Klimafußabdruck zu schauen, greift jedoch zu kurz, da die globale Erwärmung ein Umweltproblem unter vielen darstellt – Biodiversitätsverlust, Eutrophierung, Versauerung, Bildung bodennahen Ozons, Feinstaubverschmutzung, ökotoxische Effekte, Verknappung endlicher Ressourcen sind andere Umweltprobleme. Zieht man all diese Effekte beim Vergleich ins Kalkül, schneidet gegenwärtig Biorindfleisch aufgrund eines nur halb so großen Fußabdrucks beim Biodiversitätsverlust deutlich besser ab. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass das, was wir gegenwärtig unter „bio“ und „konventionell“ definieren, nicht in Stein gemeißelt ist – will heißen: die beiden Landwirtschaftssysteme sind im ständigen Fluss (siehe bspw. die aktuelle Debatte zur Reform der EU-Öko-Verordnung). Beide Systeme bleiben mittel- und langfristig nur erhalten, wenn die Unterschiede zwischen diesen deutlich bleiben.

Vielen Dank!

Unsere Ernährung beeinflusst die Umwelt – oder – Noch ein Argument für Vegetarismus

 

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