Der Cholesterinmythos

by Emilie
Der Cholesterinmythos

Cholesterin hat es schwer. Als schwarzes, fettes Schaf wird es mit Schlaganfällen, Herzinfarkten, dicken Bäuchen und zu vielen Eiern in Verbindung gebracht. Bevor wir nun alle zur cholesterinarmen Margarine greifen und aufs Rührei verzichten, schauen wir uns den vermeintlichen Übeltäter doch mal genauer an…

Was ist Cholesterin? – Zuallererst lebenswichtig!

Cholesterin kommt in tierischen Organismen als lebenswichtiger Stoff vor.  Auch wenn Cholesterin häufig so bezeichnet wird: Es ist kein Fett. Da es aber ähnliche Eigenschaften wie die Lipide zeigt und wie ein Fett ebenfalls einen wasserabweisenden Teil besitzt, wird Cholesterin umgangssprachlich zu den Lipiden gezählt.

Cholesterin hat viele Aufgaben in unserem Körper. Deshalb stellt es unser Körper sogar selbst her, denn ohne Cholesterin würde so einiges nicht funktionieren.

Das Lipid wird in unsere Zellmembranen eingebaut und erhöht ihre Stabilität. Ohne Cholesterin würde es Proteinen wesentlich schwerer fallen, in unsere Zellen hinein oder heraus zu kommen, was viele Stoffwechselprozesse stark einschränken würde.

Außerdem ist Cholesterin die Vorstufe für wichtige Botenstoffe in unserem Körper, wie zum Beispiel Sexualhormone. Auch für unsere Gallensäuren brauchen wir Cholesterin, ohne die wir Fett nicht verdauen könnten. Es wird ebenfalls zu Vitamin D umgebaut, wenn unsere Haut der Sonne ausgesetzt ist.

Cholesterin Struktur

 

„Das gute und das schlechte Cholesterin“ oder Warum Cholesterin abgeschleppt werden muss

Häufig wird umgangssprachlich von „gutem“ und von „schlechtem Cholesterin“ gesprochen. Dahinter verstecken sich aber gar nicht zwei verschiedene Arten von Cholesterin. Es handelt sich lediglich um zwei unterschiedliche Arten, wie es verpackt und in unserem Körper transportiert wird.

Da unser Blutplasma zum größten Teil aus Wasser besteht, ist es nicht so einfach, wasserunlösliche Fette und Vitamine von A nach B zu transportieren. Cholesterin braucht als Lipid kleine Helfer, die es auf dem Weg durch unseren Körper unterstützen. Diesen Job übernehmen Trägereiweiße.

Als „Schlepper“ überziehen sie Cholesterin und viele andere fettlösliche Stoffe wie eine Hülle, machen sie somit transportfähig und bringen sie über die Blutautobahn an ihre Zielorte. Der Komplex von Lipiden und Trägerproteinen nennt sich Lipoprotein.

Lipoproteine unterteilt man nach ihrer Dichte. Je nachdem, wie groß die Anteile von Fetten und Proteinen in so einem Komplex sind, verändert sich ihre Dichte. Für das Cholesterin sind zwei Lipoproteingruppen von großer Bedeutung:

Die LDL-Verbindungen aus Trägereiweiß, Cholesterin und anderen Fetten besitzt eine niedrige Dichte (aus dem Englischen für Low-Density-Lipidoprotein), HDL hingegen besitzt eine hohe Dichte (High-Density-Lipidoprotein).

Eine Vorstufe von LDL, VLDL, verlässt die Leber, wird im Blut zu LDL umgebaut und transportiert Cholesterin zu allen Zellen des Körpers. Dabei können die Zellen selbst bestimmen, wie viel LDL sie benötigen und ihre Rezeptoren dementsprechend anpassen.
HDL hingegen kann überflüssiges Cholesterin auffangen und zurück zur Leber transportieren.

HDL als Aufräumer wird umgangssprachlich als das „gute Cholesterin“ bezeichnet. LDL hingegen als das „schlechte“. Warum ist das so?

 

Die Angst vor dem Ei

Bei einem erhöhten LDL-Wert kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen, da überflüssiges Cholesterin in unseren Blutgefäßen “Klumpen” bilden kann.

Die LDL werden von einem bestimmten Fettverdauungsteil der Zellen (Lysosomen) aufgenommen und verarbeitet, am Ende wird freies Cholesterin abgegeben. Dieses wandert zu einem weiteren Teil der Zelle (dem endoplasmatischen Retikulum) und löst dort zwei Signale aus: Zum einen wird einem bestimmten Enzym vermittelt, dass es schon genug Cholesterin im Körper gibt, sodass dieses die weitere Synthese hemmt. Zum anderen wird aber auch die Speicherung von Cholesterin eingeleitet.

Ist doch alles nicht so schlimm, oder? Nun ja. Solange mit unserem Körper alles in Ordnung ist, kommen wir auch mit zu viel Cholesterin im Blut klar. Entzündet sich allerdings ein Teil unserer Gefäßwände durch eine kleine Verletzung, beispielsweise durch Gifte, mechanische Einwirkungen oder Immunreaktionen, kann LDL-Cholesterin sehr ungünstig sein.

Ist unser Gefäß an der innersten Wand an einer Stelle beschädigt, verdickt sie sich, indem sie Muskelzellen dahinter vermehren und in die innere Schicht wandern.
Außerdem fangen die LDL an, sich in die innerste Schicht der Arterienwand einzulagern und dort zu oxidieren. Damit beginnt das größte Problem. Die veränderten LDL ziehen Fresszellen des Immunsystems an. Sie haben die veränderten Moleküle als Fremdkörper erkannt und wollen sie nun “ausfressen” und somit unschädlich machen.

Haben sie sich mit Lipoproteinen vollgeschlagen, sehen sie unter dem Mikroskop wie Seifenschaum aus. Denn leider können die Fresszellen Cholesterin nicht gut verdauen. Sie binden nur an die LDL und verändern ihre Struktur.
Im weiteren Vorgang verändert sich an der entzündeten Stelle das gesamte Gewebe. Es entstehen Kappen (Plaques), unter denen abgestorbene Schaumzellen (alias mit LDL vollgefressene Fresszellen) stecken. Das Gefäß wird dicker und spröde. Man spricht von Arterienverkalkung.
Grundsätzlich ist es möglich, diese Prozesse umzukehren. Kommen aber schlechte Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen etc. hinzu, kann es passieren, dass Plaques aufbrechen und dadurch das geronne Blut das Gefäß zusätzlich enger macht. Zu viele LDL sind an dieser Stelle sehr schädlich.
Im schlimmsten Fall verstopft das Gefäß dann ganz.

Eier und der Cholesterinmythos - Emilies Treats klärt auf

Was hat das mit dem Ei zu tun?

Ein Ei enthält allein schon etwa 200mg Cholesterin und ist damit Spitzenreiter. Nur wenige andere tierische Erzeugnisse kommen an so hohe Cholesteringehalte ran.  Kein Wunder also, dass die Medien eine Zeit lang vom täglichen Ei abrieten.

 

Wie die Leber unsere Eier zählt

Wer sollte also nun auf sein Ei verzichten und wer darf sich ungehemmt 5 Spiegeleier in die Pfanne hauen?

Grundsätzlich ist eine Einschränkung des Eikonsums für einen gesunden, genetisch nicht vorbelasteten Menschen, der sich ausgewogen ernährt, nicht notwendig.

Wir haben nämlich einen fantastischen Helfer im rechten Oberbauch: unsere Leber. Die hat sehr viele wichtige Aufgaben und übernimmt noch dazu das „Eierzählen“. Die Leber misst, wie viel Cholesterin wir täglich aufnehmen und rechnet sich dann aus, wie viel Cholesterin zum Überleben noch fehlt. Wir benötigen eine gewisse Menge Cholesterin am Tag, die bei jeden Menschen sehr unterschiedlich ist. Etwa die Hälfte nehmen wir mit der Nahrung auf, den anderen Teil produziert unser Körper.

Wer sich nicht sicher ist, wie gut seine Leber im Eier zählen ist und vermutet, dass sich doch zu viel LDL in seinem Blut befindet, kann sich regelmäßig testen lassen.  Beim Arzt kann sowohl der Gesamtcholesterinspiegel, sowie der LDL- und HDL-Wert gemessen werden. Da jeder Körper ein wenig anders funktioniert, sind für manch einen 10 Eier im Omelette nicht zu empfehlen, andere vertragen so viel Cholesterin super.

Doch auch wer einen erhöhten Cholesterinspiegel hat, muss sich nicht sofort Sorgen machen.

In Deutschland haben etwa 60 Prozent der Menschen einen leicht erhöhten Cholesterinspiegel. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir uns sofort große Sorgen machen müssen!

Zuallererst: Bis es tatsächlich zu einer Verstopfung der Arterien kommt, vergehen meist sehr sehr viele Jahre, in denen wir keine Beschwerden haben. Das macht die Erkrankung allerdings auch gefährlich, da sie lange unentdeckt bleibt.

Wichtig zu beachten ist, dass noch sehr viele weitere Faktoren das Risiko für einen Herzinfarkt steigern.  Wer bei einem hohen Cholesterinwert noch raucht, hohen Blutdruck hat, unter Stress leidet oder genetisch vorbelastet ist, sollte mit der Fettaufnahme von tierischen Fetten vorsichtiger sein.

Der Cholesterinmythos

Ei Der Daus – doch so gesund?!

Ja, Eier sind gesund. Mineralstoffe, Vitamine, Proteine – alles drin, alles gut.  Deshalb: Ja, wir dürfen auch jeden Tag eins essen, das kann uns sogar beim Abnehmen helfen. Wer mit Cholesterin nicht so gut klar kommt, für den gilt: Alles in Maßen, nicht in Massen.

Warum ich ein großer Fan von weichgekochten Eier bin und Eiweißomlettes für großen Quatsch halte, erzähle ich euch in meinem nächsten Beitrag. Dann bekommt ihr auch das passende Eierrezept dazu – das ihr mit Enthusiasmus essen dürft!

 

Zum Informieren und Nachlesen:

Die bahnbrechenden Cholesterinentdeckungen von Michael S. Brown und Joseph L Goldstein http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1985/press.html
http://www.lipid-liga.de
Cholesterin Situation in Deutschland/Studie: http://edoc.rki.de/oa/articles/reaZNjT7nCfnM/PDF/238SHfIrefb0E.pdf
Eier und Abnehmen: http://www.nature.com/ijo/journal/v32/n10/full/ijo2008130a.html
Arteriosklerose: http://www.arteriosklerose.org/ursachen/

 

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