Den Sommer Einwecken – Inspirationen und ein Rezept für Zwetschgen-Chutney

by Emilie
Baba Ganoush-Pasta

Auch, wenn es im Moment so scheint, als würde der Sommer niemals enden: Noch früh genug werden wir fröstelnd im Nieselregen stehen und im regionalen Regal nur noch Kohl und Lageräpfel vorfinden. Es wird also Zeit, Gegenmaßen zu treffen um den Sommer wenigstens auf dem Teller, künstlich zu verlängern.

Oh – da habe ich diesen Beitrag doch tatsächlich einen Tag zu lange liegen gelassen und schwups – schlug das Wetter vor wenigen Stunden mit einem Fingerschnipsen von Sommer in Herbst über. Ich hoffe, ihr habt trotzdem noch Lust auf literarisch in Worte gefasste spätsommerliche Glücksgefühle und lasst euch von mir zur Obsternte verführen.

Obst, so weit das Auge reicht – Warum sind die Bäume dieses Jahr so brechend voll?

Vielleicht habt ihr es genauso stark mitbekommen, wie ich dieses Jahr: Die Bäume bogen sich unter ihrer süßen Last und es gab (und gibt noch!) Obst ohne Ende. Da ich seit dieser Saison ausgesprochen viel mit meinem neuen Rad in der Region um Halle unterwegs war, sah ich die Obstschwemme mit eigenen Augen, doch auch viele Freunde mit Familiengarten berichteten von Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen, die unter ihrer Last zusammenbrachen. Das ist nicht jedes Jahr so auffällig – und hat auch nicht nur mit dem Wetter zu tun.

Alternanz

In meinem Studium habe ich das so gelernt: Obstbäume tragen im Zweijahres-Zyklus besonders viele Früchte. Genetisch bedingt gibt es in einem Jahr viele Früchte, im Folgejahr dann weniger, gesteuert wird das durch pflanzeneigene Hormone. Das nennt man Alternanz und kennt jeder Obstbauer. Denn gegen dieses Phänomen gibt es Gegenmaßnahmen, die zu regelmäßigen Ernteerfolgen führen.

Das Stichwort ist hier: Ausdünnen. Denn wenn ein Baum viele Blüten bildet, führt das zu viele Äpfeln, die sich gegenseitig Platz und Sonne klauen und klein bleiben. Auch der Baum an sich hat nach einem früchtereichen Jahr keine Energie mehr und gönnt sich ein Jahr Pause. Also beginnt der Bauer schon während der Blütephase auszudünnen und somit weniger, aber größere und in jedem Jahr gleichmäßig viele Früchte zu erhalten.

Doch auch das Wetter kann Alternanz auslösen oder verstärken. Das erleben wir im Moment: Da 2017 ein Großteil der Blüten durch einen späten Frost zerstört wurden, gab es letztes Jahr fast gar keine Früchte. Dieses Jahr hatten die Bäume dann besonders viel Energie, Blüten zu bilden. Das führte zu der unheimlich großen Menge an Früchten – die aber teilweise sehr klein blieben.

Wenn wir Pech haben, tragen die Bäume also nächstes Jahr sehr viel weniger oder noch viel kleinere Früchte. Es lohnt sich also, die Saison noch auszunutzen und ernten zu gehen!

Ernten satt – doch wohin mit all dem Obst?

Ich habe diesen Sommer in vollen Zügen genossen und war eigentlich jede Woche und dann auch nie ohne Fahrradtasche unterwegs. Denn ich konnte mir sicher sein: 20, 30 km außerhalb von Halle kam ich IMMER an voll beladenen Obstbäume vorbei. Ich konnte nicht anders, als jede Woche mehrere Kilo nach Hause zu schleppen… Bis ich wirklich nicht mehr wusste, wohin mit all dem Obst.

Meine Tipps gegen die Obstschwemme:

  • Foodsharing und andere Projekte für gerettete Lebensmittel! In Halle hat jetzt neu das Crumme Eck aufgemacht, vielleicht gibt es ähnliche Initiativen in eurer Stadt?
  • Freunde, Familie, Bekannte… Es freut sich eigentlich jeder über leckeres Obst, vor allem Leute, die keine Zeit und Lust zum Selberernten haben. :)
  • Kuchen und Pie backen – so gehen gleich mal zwei Kilo Früchte weg!
  • Einmachen, Einkochen, Saft machen. Rezepte und Inspirationen folgenden unten.

Auch Obst und auch lecker: Holunderbeeren

Neben Äpfeln, Birnen und Pflaumen gibt es noch ein Obst, das im Moment in Hülle und Fülle wächst – an dem aber viele oft vorbeilaufen. Holunderbeeren lassen sich Dank leichter Toxizität nicht roh verzehren, doch ihr Saft ist dafür umso gesünder und köstlicher. Vor allem das enthaltene Vitamin C und der tiefrote Farbstoff Sambucyanin helfen dem Immunsystem vorbeugend gegen Erkältungen.

Rezepte, Ideen und Inspirationen zum Konservieren von Sommerfrüchten

1. Saft

Von Freunden habe ich mir einen Dampfentsafter ausgeliehen und sowohl Holunder- als auch Apfelsaft hergestellt. Beides schmeckt solo super gut, aber eine Holunder-Apfelsaft-Mischung ist einfach der absolute Wahnsinn. Heiß abgefüllt hält sich der Saft auch über den Winter und lässt sich toll als Punsch oder im Glühwein im Winter genießen. Ich freue mich schon drauf… :)

2. Gummibärchen

Aus dem Saft lassen sich dann übrigens ganz einfach Gummibären herstellen: Einfach mit etwas Agartine anmischen und in Förmchen füllen – fertig.

3. Einwecken

Die klassische Methode ist das schiere Einwecken von Sommerfrüchten. Da ich Birnen puristisch schon super lecker finde, habe ich die entkernten Spalten einfach mit Wasser kurz aufgekocht, etwas Vanille, Ingwer oder gar nichts dazugegeben und sie traditionell eingeweckt. Bei Weckgläsern verschließt ihr die Deckel und lasst die Gläser im heißen Wasser kochen, bei Schraubverschluss reicht heiß abfüllen und auf den Kopf stellen. Detaillierte Anleitungen dazu findet ihr im Internet.

4. Kompott und Mus

Was mich dieses Jahr über den Winter bringen wird, sind gemütliche Sonntagsfrühstücke mit Pancakes oder Waffeln und selbst gemachtem Apfelkompott. Viel viel Zimt und wenig Zucker ist hier mein Geheimnis. Ansonsten geht Kompott super schnell und einfach: Die Früchte kleinschneiden und mit Schale (Ballaststoffe!) weiche kochen. Eventuell nachsüßen, würzen und heiß in Schraubgläser abfüllen.

5. Chutney

Schon im letzten Jahr hat mir meine große Schwester von Pflaumenchutney vorgeschwärmt, dass sie auf einem Festival in einem Sandwich gegessen hatte und nicht aus dem Kopf bekam. Damals fand ich das Konzept interessant, aber noch nicht interessant genug. Die paar Zwetschgen, die ich frisch von Nachbars Garten bekam, waren mir für süß-sauer eingekochte Pseudo-Marmelade zu schade. Oh, wie hat sich meine Welt verändert! Denn in diesem Jahr aß ich Zwetschgen-Chutney ohne Ende – auf Käsebroten, zu Gemüsepfannen und sogar in Drinks ist es wirklich köstlich. Wer Chutney bisher immer skeptisch gegenüber stand: Probiert es aus, es ist nicht ohne Grund ein Hit in der modernen und alt-indischen Küche.

 

Zwetschgen-Chutney

Baba Ganoush-Pasta

Ingredients

  • 2 kg Zwetschgen
  • 500 g (rote) Zwiebeln
  • 2 TL Salz
  • ungefähr 400 ml Essig (toll: Honigessig)
  • bis zu 500 g Zucker (nach Geschmack auch weniger)
  • etwa 50 g frischer Ingwer
  • je eine Prise Kardamom, Zimt, Muskat
  • ein paar Nelken

Instructions

  1. Zwetschgen und Zwiebeln klein schneiden. Die Zwiebeln am besten vorab in einer großen Pfanne anschwitzen.
  2. Alle Zutaten in einen Topf geben und abgedeckt ungefähr 40 min köcheln lassen.
  3. Wenn euch die Masse weich genug vorkommt und gut schmeckt: Heiß abfüllen und Gläser auf den Kopf stellen. Wenn nicht: Nachwürzen, mehr Säure oder Süße dazugeben oder einfach noch ein wenig ziehen lassen.
http://emiliestreats.de/den-sommer-einwecken-inspirationen-und-ein-rezept-fur-zwetschgen-chutney/

 

 

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1 comment

Chrissie September 23, 2018 - 19:54

Ohh, vielen lieben Dank für das Chutney-Rezept und das du deine Skepsis für mich überwunden hast ;-)
Bis nächste Woche habe ich noch Urlaub, bevor ich meine neue Arbeitsstelle antrete, da werde ich mal schauen, ob ich noch an ein paar heimische Zwetschgen komme, um das Rezept nachzukochen.

Ich weiß, du bist mehr ein Sommerkind, aber ich freue mich so, dass jetzt der Herbst da ist. Kürbisse, dicke Strumpfhosen mit Strickkleidern und Stiefeln, heißer Tee (ok, den trinke ich das ganze Jahr über, aber im Sommer ernte ich dafür immer komische Blicke ^^), Äpfel, Birnen und Pflaumen, bunte Blätter, die ersten Herbststürme (die man natürlich am besten mit einer heißen Tasse Tee und einen Stück Obstkuchen auf der Couch verbringt ;) ) und so so viel mehr – ich wünsche dir einen wundervollen Herbst mit vielen sonnigen Tagen für Herbstspaziergänge durch den bunten Blätterwald :)

LG, Chrissie

PS: Und natürlich immer weiter gutes Gelingen bei Hülsenreich!

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